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Full text : 61, 1941

H  e  1  m  u  t  h  Geißler:  Die  deutschen  Ilodtscepegel.

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Schlußbemerkungen  über  den  historischen  Gang  der  Pegelentwicklung.
Bereits  in  den  neunziger  Jahren  wurden  schon  von  Kapitän  zur  See  Mensing  Pegelversuche
durchgefiihrt.  Er  benutzte  dabei,  dem  im  Anfang  der  Arbeit  geschilderten  Versuch  mit  der
Tauchglocke  entsprechend,  ein  Gerät,  das  eine  unempfindliche  Bourdonröhre  enthielt,  die  dem
vollen  Drude  der  Wassersäule  von  der  Oberfläche  bis  zum  Boden  ausgesetzt  war.  Der  Innenraum ­
  dieser  Röhre  war  über  einen  Vorraum  mit  dem  Meerwasser  verbunden.  Die  Einschaltung
des  Vorraums  sollte  das  Eindringen  des  Wassers  in  das  Bourdonrohr  und  die  damit  verbundene
Korrosion  verhindern.  Der  Außenraum  der  Röhre  stand  als  Instrumentenraum  unter  Atmosphärendruck,
  und  der  Pegelkessel  war  deshalb  druckfest  gebaut.  Die  Formänderungen  der
Bourdonröhre  wurden  damals  noch  durch  einen  Schreibstift  aufgezeichnet.
Nach  1900  erprobte  Mensing  ein  neues  Modell,  Dem  Pegel  beigegebene  Preßluftflaschen
wurden  mit  Luft  von  vorher  bestimmtem,  der  Auslegetiefe  entsprechendem  Drucke  gefüllt  und
gaben  beim  Fieren  des  Pegels  ihre  Druckluft  über  ein  auf  0.2  bis  0.4  kg/cm 2  eingestelltes  Überdruckventil ­
  an  den  Instrumentenraum  als  Außenraum  der  Bourdonröhre  ab.  Der  Innenraum
der  Röhre  war  ständig  mit  dem  Meerwasscr  verbunden.  Es  wurde  nunmehr  eine  empfindliche
Bourdonröhre  mit  der  Belastungsgrenze  von  1  kg/qcm  verwendet.  Das  war  durch  Verwendung
des  Überdruckventils  möglich.  Nach  Aufsetzen  des  Pegels  auf  den  Meeresboden  und  erfolgtem
Druckausgleich  wurden  die  Preßluftflaschen  vom  Instrumentenraum  abgeschlossen.  Nach  Ablauf ­
  der  Ausliegezeit  sollte  der  Pegelkessel  selbst  als  Boje  aufschwimmen.  Er  war  zu  diesem
Zweck  an  einem  Pegelstuhl,  der  auch  die  erforderliche  Seiltrommel  trug,  entsprechend  gehaltert.
Die  Aufzeichnung  der  Pegelkurve  erfolgte  durch  eine  mit  Tinte  gefüllte  Registrierfeder.
Noch  im  Jahre  1931  wurden  Versuche  mit  diesem  Gerät  durchgeführt.
Danach  erfolgte  ein  erneuter  Umbau  des  Pegels,  der  nun  im  wesentlichen  die  Form  annahm,
die  er  heute  noch  hat.  Die  bisher  verwendeten  Bourdonröhren  älteren  Typs  wurden  durch  die
moderne  Fueßsehe  Mikrobourdonröhre  ersetzt.  Der  Pegelkessel  schwamm  nicht  mehr  selbst
auf,  sondern  auf  den  Pegelkessel  wurde  eine  besondere  Aufschwimmboje  aufgesetzt,  die  bei
Abschluß  der  Messungen  ausgelöst  wurde.
Ab  1934  wurde  auch  auf  diese  Boje  verzichtet  und  der  Pegel  genau  in  der  heutigen  Form
verwendet.
Die  ersten  Werkstattversuche  mit  dem  Kuhlmannpegei  begannen  1921.  die  ersten  praktischen
Erprobungen  1923.  Die  innere  Anordnung  im  Pgel  war  mit  der  einen  Ausnahme,  daß  auch  bei
ihm  anfangs  mit  einem  Schreibstift  und  erst  später  optisch  aufgezeichnet  wurde,  stets  die  gleiche.
Weitere  Pegelentwürfe,  die  z.  T.  nicht  einmal  zur  praktischen  Erprobung  gelangten,  wurden ­
  von  Kapt.  z.  S.  von  Capelle  und  von  der  Firma  Breuer  gemacht.  Die  Grundgedanken
dieser  Konstruktionen  ähnelten  denen  bei  Mensing-  und  Kuhlmannpegei;  als  Meßelemente
versuchte  man,  an  Stelle  der  Bourdonröhre  auch  elastische  Federn  zu  verwenden.
Die  erste  Auslegung  mit  dem  Rauschelbachpegel  wurde  im  Jahre  1929  vorgenommen.  Anfangs ­
  wurde  als  Pegeluhr  ein  Schiffschronometer  an  Stelle  des  jetzt  benutzten  Pegelspezialuhrwerkes ­
  verwendet,  das  täglich  durch  einen  kurz  eingeschalteten  Motor  aufgezogen  wurde.
Ferner  wurde  die  Temperatur  zunächst  lange  Zeit  mit  optisch  aufzeichnenden  Bimetallstreifen
gemessen,  bevor  zum  Gebrauch  von  Quecksilberthermometern  übergegangen  wurde.  Die  Verwendung ­
  in  ihrem  Volumen  stetig  veränderlicher  Vor-  und  Druckräume  wird  zurzeit  erprobt.
Die  Versuche  mit  dem  Graafenpegel  begannen  im  Jahre  1934  unter  Verwendung  eines  Bimetallthermometers, ­
  wie  es  damals  auch  im  Rauschelbachpegel,  von  dessen  Konstruktionsgedanken ­
  Graafen  ausging,  benutzt  wurde,  und  eines  Manometers,  das  seinen  Stand  mit  einer
Schreibfeder  aufzeichnete.  In  das  folgende  Jahr  (1935)  fällt  der  Übergang  zum  Quecksilberthermometer, ­
  und  seit  1936  wird  die  Anzeige  des  Manometers  photographisch  festgehalten.
Die  Wasserbauämter  bzw.  Forschungsstellen  der  Deutschen  Nordseeküste  begannen  schon
frühzeitig  in  Zusammenarbeit  mit  Dr.  Rauschelbach,  Pegelauslegungen  durchzuführen.  Für
diese  Dienststellen  sind  die  Hochseepegel  ein  unentbehrliches  Meßinstrument  geworden,  da  sie
ih  re  hochwichtigen  Arbeiten  der  Landgewinnung  und  des  Schutzes  des  neu  erworbenen  Landes
nicht  ohne  genaue  Wasserstandsmessungen  in  den  Flüssen,  dem  vorgelagerten  Wattgebiet  und
der  angrenzenden  offenen  See  durchführen  können;  im  Watt  und  auf  See  sind  aber  nur  Hochseepegel
  verwendbar.
            
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