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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band Nr. 7
lationsleistung in Verbindung mit der vorhandenen Massenverteilung im Gebiet der Konvergenz eine Nei
gung zum Aufgleiten, in dem der Divergenz eine solche zum Absinken. In Abb. 5 ist gezeigt, wie sich dies
für einen Vertikalschnitt im Bereich der Konvergenz aus dem Drehsinn des Vektorproduktes [(33p) pp D X p flj
ergibt.
T
K
Abbildung 5.
Eine aus dem Glied (Dp) p pd resultierende Störung bedingt
im Gebiet der Konvergenz (Vgl. Abbildung 1, Seite 8)
Neigung zum Aufgleiten.
Die Theorie der Zirkulationsleistung ist also geeignet, die bei der behandelten Wetterlage zu beob
achtende Verknüpfung zwischen Vertikalbewegungen und Konvergenz- bzw. Divergenzgebiet qualitativ zu
erklären.
Der Einfluß des am 13. Mai stärker ausgeprägten Isallobarengradienten kann dafür verantwortlich ge
macht werden, daß an diesem Tage im südwestlichen Teil der Divergenz Niederschläge auftreten. Der Schwer-
punkt des Aufgleitgebietes liegt jedoch auch hier im Bereich der Höhenströmungskonvergenz. Besonders am
12. Mai, wo in der Höhe praktisch kein Isallobarengradient vorhanden ist, ist die Verbindung zwischen ab
steigender Luftbewegung und Divergenzgebiet durchaus eindeutig zu beobachten.
Schluß.
Die Wetterlage vom 11. zum 13. Mai gibt Gelegenheit, Störungen von grundsätzlich verschiedener Art
zu betrachten.
Bei den in Abschnitt C mit Hilfe der Theorie der thermodynamischen Gleitsteuerung behandelten Vor
gängen handelt es sich um solche, die in einem Massensystem von außen her ständig unterhalten werden.
Anders verhält es sich mit den in D behandelten Gleitvorgängen. Hier muß man sich vorstellen, daß
die Verfrachtung eines Kaltlufttropfens mit einer bestimmten Bewegungssteuerung, die nach P. Raethjen mit
Gleichgewichtsdrift zu bezeichnen wäre, in ein Gebiet, in dem jede Bewegungssteuerung fehlt, eine einmalige
Störung bewirkt. Diese ist jedoch nunmehr in dem Massensystem selbst enthalten, wird ihm also nicht von
außen aufgeprägt. Denn die in dem driftenden System nicht zur Entfaltung gelangenden potentiellen Energien
können jetzt — nach Fortfall der Bewegungssteuerung — zur Auslösung gelangen.
Ein anderer häufig vorkommender Eingriff besteht darin, daß eine selbständige Druckwelle die ur
sprüngliche Höhendrudeverteilung ändert und Zirkulationen auslöst. Im vorliegenden Falle äußert sich gerade
das Fehlen einer solchen oberen Einwirkung in dem ursächlichen Zusammenhang, der zwischen eintretenden
Vertikalzirkulationen und Druckänderungen im Gleitniveau besteht.
Wie schon erwähnt, konnte E. Neumann bei der Bearbeitung einer kontinuierlichen Westwetterlage
die Theorie der dynamischen Gleitsteuerung nur in beschränktem Maße zur Erklärung eingetretener Vertikal
bewegungen heranziehen. Dieses Ergebnis kann man in dem Sinne deuten, daß den Massenumlagerungen
selbständige Druckänderungen aufgeprägt wurden, die nicht mit den Gleitbewegungen an sich gekoppelt
waren. Durch diese wird der Ablauf der Vertikalbewegungen entscheidend in dem Sinne beeinflußt, daß der
von der Theorie der Zirkulationsleistung geforderte Zusammenhang mit individuellen Änderungen des
Druckgradienten lediglich unter günstigen Umständen in Erscheinung treten kann.
Noch besser ausgeprägt ist die Bewegungssteuerung in den von P. Sieber gegebenen Beispielen. Die
Bearbeitung synoptischer Beobachtungen durch P. Sieber zeigt, daß unter diesen Umständen die Theorie der
horizontalen Winddivergenz in der Lage ist, eingetretene Vertikalbewegungen quantitativ zu erfassen.
Herr Prof. R. Mügge hat gelegentlich die Ansicht geäußert, daß man eine Zweiteilung der gestörten
Witterungsvorgänge vornehmen könnte in solche, die vornehmlich statisch oder fortdauernd statisch und in
solche, die dynamisch sich abspielten. Eine Erfassung der ersteren wäre der Theorie der Zirkulationsleistung,
die der letzteren der Theorie der horizontalen Winddivergenz zuzuweisen.