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Full text: 59, 1939

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 59. Band, Nr. 1 
Für Waage B wurde ebenfalls an 2 Tagen mit dazwischen gelegtem Transport an einem Punkt beobachtet. 
Tabelle 10 gibt die Beobachtungen mit den dazugehörigen Temperaturen. Die Beobachtungen wurden auf + 15° C 
reduziert und auch wie die vorigen wegen Variationen verbessert. Die Fehler der beiden Meßreihen an einem 
einzelnen Punkt betrugen etwa ± 7,5 y. Da die beiden ersten Beobachtungen jeder Reihe stark ausfallen, wurden 
sie für die Mittelbildung und Fehlerberechnung nicht mit herangezogen. Erst bei der dritten Messung, d. h. nach 
etwa 1% Stunden, scheinen die Messungen normale Werte zu erreichen. 
Da Siemens vorgeschlagen hat, die Morgenmessungen an mindestens zwei Basispunkte anzuschließen, habe 
ich bei einer größeren Vermessung dieses Verfahren angewendet. Tabelle 13 zeigt die Abweichung der Morgen 
differenz der beiden Basispunkte von der Abenddifferenz. Im Mittel betrug diese Differenz + 25 y. Dabei war die 
Waage mindestens 1 Stunde, gewöhnlich aber 2 Stunden vor Beginn einer Meßreihe ins Freie gebracht worden. 
Aus den an einem Punkt vorgenommenen Beobachtungen und den Feldbeobachtungen ersieht man, daß es nicht 
allein darauf ankommt, der Waage genügend Zeit zum Temperaturausgleich zu geben, sondern sie auch dabei zu 
benutzen (Entspannung des Magnetsystems). 
Aus einer Vermessung mit Waage B wurde eine Reihe doppelt vermessener Punkte gewählt (Tab. 11). 
Zwischen den Doppelmessungen lagen dieses Mal Zeiträume von 2 bis 3 Wochen. Die Waage war dabei den denk 
bar härtesten Bedingungen ausgesetzt. Täglich wurden 150—200 km auf schlechtesten Landwegen mit dem Auto 
zurückgelegt. Die Temperaturen bewegten sich zwischen -f 2 und + 30° C (April bis Mai 1937). Die Tabelle 
zeigt das Ergebnis der auf + 15° C reduzierten und wegen Variationen verbesserten Doppelmessungen. Die 
mittlere Differenz betrug 20,3 y. In diesen Differenzen sind auch die Fehler der Basisstationen enthalten, da die 
Überschneidung der Meßzüge von den verschiedensten Basispunkten (insgesamt waren es vier) aus stattfand. Wenn 
man aus der mittleren Differenz der Doppelmessungen den mittleren Fehler einer Einzelmessung berichtigt, erhält 
man als Fehler ± 14 y. Gegenüber diesen Messungen erscheint also das Ergebnis der an einem Punkt vorgenom 
menen Messungen (Tab. 10) reichlich günstig. Der größere Fehler während der Feldvermessung ist in erster Linie 
auf den härteren Transport, dann aber auch auf die stärkere thermische Belastung und die Fehler der Basis 
stationen zurückzuführen. Baseler nannte für dieselbe Waage als Fehler einer Einzelmessung ± 20 y. 
Für die Untersuchung der äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit von Waage B wurde an einem Tage ohne 
Temperaturgang im Observatorium Gr. Raum die Differenz zwischen zwei Steinsockeln gemessen. Um Stativfehler 
auszuschalten, wurde der Stativkopf vom Stativ gelöst. Auf den Sockeln wurden Fußplatten so fest gelegt, daß 
die Waage für beide Sockel in Gebrauchslage dieselbe Teilkreisablesung ergab. Die Waage wurde auf dem Stativ 
kopf sorgfältig festgeklemmt, so daß zwischen Waage und Stativkopf platte keine Bewegungsmöglichkeit bestand. 
Während der Messungen wurde das Instrument nicht vom Stativkopf gelöst. Die Ergebnisse sind in Tabelle 14 
zusammengestellt. Der mittlere Fehler einer Einzeldifferenz betrug ± 2,5 y, der der Einzelmessung ± 1,8 y. 
Diese Untersuchung zeigt, daß Waage B bei Verwendung allergrößter Vorsicht einen größeren Fehler auf 
weist, als Waage D auf dem Stativ. Die kleinen Fehler einer Einzeleinstellung bei Waage D liegen wohl in dem 
hervorragenden mechanischen Aufbau des Instrumentes. Wie sich die Waage unter Bedingungen halten wird, denen 
bei Feldbeobachtungen die Waage B unterworfen wurde, bleibt abzuwarten. Insbesondere bleibt abzuwarten, wie 
ihr Verhalten bei langperiodischen Temperaturgängen sein wird. 
Zusammenfassung. 
1. Die Untersuchung der Schätzfehler zeigt, daß der Beobachter durch Schulung seine Fehler auf ein be 
stimmtes Maß reduzieren kann. Der Einfluß der maximalen Schätzfehler ist bei einem Skalenwert von 
30 y/pars mit ± 6 y ziemlich hoch. Der mittlere Fehler einer Schätzung beträgt jedoch nur 0,1 pars, bei 
einem Skalenwert von 30 y/pars also ± 3 y. Der Fehler ist als klein zu betrachten. 
2. Der Einstellfehler unterliegt drei Faktoren. Seine Größe wird bestimmt durch die Schätzfehler, durch 
die Schwankungen des vertikalen Schwerpunktabstandes vom Drehpunkt und durch dynamische Vorgänge an 
Schneiden und Lagern. Während die beiden ersten Einflüsse praktisch als konstant zu bezeichnen sind, wächst 
der bei der Entarretierung entstehende Fehler mit kleiner werdendem Skalenwert. Eine hinreichende Erklärung 
für dieses Verhalten läßt sich nicht finden. Günstige Bedingungen wurden bei Skalenwerten über 30 y/pars 
gefunden. Die Fehler lassen sich nur herabdrücken, w T enn der Skalenwert mechanisch möglichst groß, optisch 
aber möglichst klein gemacht wird. 
3. Der innere Fehler der Skalenwertsbestimmung wird durch die Unregelmäßigkeit der Schneiden 
krümmungsradien bestimmt. Er beträgt etwa 0,15—0,20 y/pars bei einem Skalenwert von 30 y/pars, also etwa
	        
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