Dr. Joachim Blüthgen: Die Eisverhähnisse des Finnischen und Rigaischen Meerbusens
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nach: Tägl. Eisbericht der Dt. Seewarte.
Abb. 27
Es muß zum Schluß noch hervorgehoben werden, daß sich Schwierigkeiten ergeben, wenn man den
strengsten Winter ausscheiden will. Hinsichtlich der Dauer war es zweifellos der Winter von 1925/26, auch
hinsichtlich der Extremtermine; aber hinsichtlich der Ausbildung der Eisdecke stehen der Winter 1927/28 und
1928/29 miteinander in Wettbewerb. 1928/29 gab es insgesamt 31 Tage mit Festeis, dagegen 1927/28 33 Tage.
Da jedoch 1927/28 das Festeis während zweier Perioden ununterbrochen je 10 Tage bis zum Horizont reichte,
während dies 1928/29 nur sporadisch der Fall war, wird mit einigem Recht der Winter 1927/28 als der strengste
zu betrachten sein. Es zeigt sich darin eine Abweichung von zahlreichen anderen Stationen, die andere Winter als
besonders streng aufwiesen.
24. Die Eisverhältnisse von Pakerort (Tägl. Eisber.).
Die Eisverhältnisse der Fahrwässer von Pakerort zeichnen sich nach den Tägl. Eisberichten durch einen
sehr unruhigen Charakter aus. Die beweglichen Eisarten herrschen bei weitem vor und bei den Angaben starken
Festeises handelt es sich vermutlich um zusammengefrorenes, stilliegendes Treibeis; denn in den wenigen Fällen,
in denen starkes Festeis gemeldet wird (1928/29, 1931/32), lagen zur Zeit des Einsatzes des starken Festeises
durchaus keine extrem tiefen Temperaturen vor. Vielmehr gingen diese einige Zeit voran.
Die Veränderlichkeit der Vereisung ist in jedem der Eiswinter stark ausgeprägt. Teils macht sie sich in
der Auflösung der Vereisung in Einzelperioden, teils in der Gliederung einer kontinuierlichen Vereisung in rasch
wechselnde Eisarten bemerkbar. Diese Unterscheidung ist aber mehr eine äußerliche, denn für das Verständnis
des Vereisungscharakters bedeutet es keinen Unterschied, ob sich zwischen zwei kurze Treibeis perioden ein
Tag ohne Eis einschiebt, oder ob das Treibeis andauert. Für die Unterbrechung der Vereisung sind in diesen
Fällen mechanische Faktoren anzunehmen und nur selten thermische. Dagegen besagen die kurzen Perioden mit
leichtem Eis zu Beginn der Vereisung 1926/27 u. a. etwas anderes. Hier geht eine Unterbrechung der Vereisung
mit einer solchen des Frostes parallel, hinzu kommt als begünstigender Faktor die höhere Wärmekapazität des
tieferen, freien Meeres vor der Halbinsel von Pakerort.
Der längste Eiswinter, auch ohne Berücksichtigung der Vorperioden, war 1925/26. Er dauerte von Mitte
Dezember bis Anfang Mai. Die Schwankungen von Jahr zu Jahr betragen, wie auch bei anderen Stationen, bei
der Enteisung nicht so viele Tage wie beim Eisbeginn. Bei Pakerort kommt hinzu, daß der Beginn der Vereisung
im Großen zwar dem bei anderen Stationen parallel ist, aber durchgehends auf ein etwas späteres Datum ver
schoben ist. Ein Durchschnittswert für den Beginn der Vereisung ist ohne praktischen Wert. Die Enteisung kann
im Durchschnitt für die zweite Aprilhälfte angenommen werden.
Besonders erwähnt werden muß noch das Auftreten einer offenen Küstenrinne im Festeis, das starken Ab
triebkräften zuzuschreiben ist (Wind und Strömung). Es ist darum auch nicht verwunderlich, wenn starkes Feat-
Pakerort