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Full text : 57, 1937

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Erwin  Balcke:  Untersuchung  abnorm  hoher  Temperaturen  in

Norddeutschläncl.

Typus  1:  Ausläufer  des  Azorenhoehs.
Zu  diesem  Typus  gehören  3  Fälle,  bei  denen  Nord-  und  Mitteldeutschland  unter  dem  Einfluß  eines
westlichen  Hochs  bei  nördlicher  Luftbewegung  starke  dynamische  Erwärmung  erhielt.  Hierzu  gehören:
4.  VI.  1921,  13.  und  16.  VII.  1928.  Das  Charakteristikum  dieser  Fälle  ist  hoher  Druck  westlich  Englands
und  tiefer  Druck  über  dem  Mittelmeer;  typisch  scheinen  flache  Tiefs  über  der  Alpengegend  zu  sein,  auf
deren  Nordseite  offenbar  stark  absinkende  Bewegung  eintritt.  Die  Aufstiege  zeigen,  daß  die  stärkste
dynamische  Erwärmung  der  Höhen  am  Vortag  einsetjt,  aber  auch  schon  am  2.  Vortag,  und  Erwärmung  in
den  untersten  Schichten  am  Haupttag.  Für  die  Absinkbewegung  am  Vortag  ist  das  in  allen  Fällen  fast
wolkenlose  Wetter  bezeichnend.  Die  idealisierte  Wetterlage  zeigt  Figur  24.
Typus  2:  Osteuropäische  Antizyklonen.
Während  der  erste  Typus  wohl  mehr  Ausnahmefälle  darstellt,  scheint  dieser  Typus  der  normale
zu  sein.  Ihm  gehören  fast  90  %  der  Fälle  mit  dynamischer  Erwärmung  an.  Die  Wetterlage  dieser
25  Fälle  ist  tatsächlich  außerordentlich  übereinstimmend.  Immer  wandert  eine  Antizyklone  über  Deutschland ­
  hinweg  nach  Osten  oder  Südosten;  ein  Tief  rückt  vom  Atlantik  heran.  Die  dynamische  Erwärmung
der  Höhen  hat,  kurz  bevor  der  zyklonale  Einfluß  einset^t,  ein  solches  Maß  erreicht,  daß  auch  am  Boden
hohe  Temperaturen  auftreten  können.  Sehr  gut  ausgeprägt  ist  ein  flacher  gewittersackähnlicher  Ausläufer, ­
  der  am  Haupttag  mittags  etwa  über  dem  unteren  Rhein  liegt  und  mindestens  bei  der  Hälfte  der
Fälle  ganz  typisch  vorhanden  ist.  Man  sieht  ihn  auf  der  idealisierten  Wetterkarte  (Figuren  25  und  26).

Figuren  25  und  26.  Isoharentypus  II  hei  dynamischer  Erwärmung:  „osteuropäische  Antizyklonen“.
Die  höchsten  Temperaturen  treten  immer  unmittelbar  auf  der  Vorderseite  dieses  Gebietes  auf,  nämlich
einmal  am  mittleren  Rhein  (Frankfurt  und  Aachen)  und  am  meisten  in  dem  Strich  Magdeburg—Berlin—-Grünberg.
  Als  Vertreter  dieses  Typus  sei  der  10.  VIII.  1925  angeführt  (Figuren  27  und  28).  Hier  sieht
man,  wie  das  Hoch  am  2.  Vortag  noch  im  Südwesten  liegt.  Zum  1.  Vortag  tritt  in  ganz  Mitteldeutschland
starke  Erwärmung  ein,  wo  es  nämlich  an  die  Westseite  des  Hochs  gelangt.  Am  Haupttag  rückt  ein  Gewittersack ­
  über  Frankreich  nach  Osten  vor;  auf  seiner  Vorderseite  werden  Maxima  über  35°  erreicht.
Der  Aufstieg  zeigt  stärkste  dynamische  Erwärmung  zum  Haupttag  hin  bei  schwachen  südwestlichen  Winden.
            
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