Skip to main content

Full text: 55, 1936

Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 55. Band, Nr. 3 
40 
Schärenhof, 7. der Schärenhof von Västernorrland und 8. der västerbottnische Schärenhof. Die Ziffern 1—8 
stellen demnach die Küsteneisgebiete einschließlich des Schärenmeeres dar. 
Die freie See gliedert sich in folgende Eisgebiete: 9. das Becken der Bottenwiek, 10. Nordkvarken, 11. die 
Bottensee, a) die tiefere, b) die flachere Bottensee und 12. der Südkvark und das Älandsmeer. Die Ziffern 9—12 
umfassen somit die Meereseisgebiete. 
1. Schärenhof der Bottenwiek. 
Zu diesem Eisgebiet rechnen wir die Stationen Toppila (Abb. 25), Kemi (Abb. 24), Karlsborg (Abb. 23) 
und Luleä (Abb. 21). In der Tabelle der Eiswahrscheinlichkeit treten sie hervor mit sehr früher Vereisung, die 
in der Regel schon im Oktober beginnt. Rödkallen, das ebenfalls eine ähnlich lange Vereisung aufweist, muß 
aber hier ausscheiden, da es als weit meerwärts gelegene Schäre einen anderen Charakter der Vereisung aufweist, 
der es in das Eisgebiet des eigentlichen Beckens der Bottenwiek verweist (vgl. später). 
Die Zahlen der Tägl. Eisberichte geben, da sie sich auf die Fahrwässer beziehen, meist eine zu kurze Ver 
eisung an. Verglichen mit den finnischen Eisberichten für die gleichen Jahre ergibt sich, daß regelmäßig der 
Oktober als erster Eismonat betrachtet werden muß. Die Vereisung beginnt in den innersten Buchten. Es scheint, 
daß sie östlich der finnischen Grenze, etwa bei Kemi—Ajos ihren Anfang nimmt, denn hier wurde in mehreren 
Jahren das erste Eis der Bottenwiek gemeldet. 1929 fand sich bereits am 10. September Eisbildung, die aller 
dings völlig unbedeutend war, desgleichen trat am 19. September 1930 dünnes Eis auf, das am Tage verschwand, 
aber ebenso wie der vorige Fall dazu beitrug, das Wasser abzukühlen. 
Nach den Tägl. Eisberichten ergibt sich für Luleä (Abb. 21) zwischen erster Frostperiode und erstem Eis 
eine Spanne von 13 Tagen, die bei Karlsborg (Abb. 23), das weniger geschützt liegt, auf 18 Tage wächst. Bei 
Luleä kommt hinzu, daß die Süßwasserzufuhr durch den Luleälf günstige Voraussetzungen für eine frühe Eis 
belegung schafft, die auch in der Eiswahrscheinlichkeit für den Oktober zum Ausdruck kommt. 
Von der Küste aus, beginnend in den innersten Buchten, wächst das Eis im Laufe des Vorwinters langsam 
meerwärts vor. Das Wachsen wird unterstützt durch die Schären, die jede für sich Anlaß zu Eisbildung an ihrer 
Küste entlang bilden, so daß sich der Festeisgürtel, der hier zur Ausbildung kommt, aus unzähligen kleinen Zentren 
zusammensetzt, die sich konzentrisch um die Schären vergrößern, bis sie Zusammentreffen. Unter diesen Umstän 
den bildet sich eine gleichmäßige Festeisdecke aus, die in ihrer Dicke anfangs wohl schwankt, im Laufe des 
Winters aber überall verstärkt wird. Dieses Festeis reicht bis an den Rand des Schärengürtels, wo gleichzeitig 
liefere Meeresteile beginnen. Die äußeren Schären (z. B. Rödkallen [Abb. 22] und Gäsön [Abb. 20]) kann man 
vielfach schon nicht mehr zu dem Schärengürtel rechnen, da sie je nach Stärke des Winters vom Festlandseis 
gürtel erreicht und umschlossen werden, oder nur Meereisbildung zeigen. 
Wenn Joeden (1918) behauptet, daß die Bottenwiek jedes Jahr von einer Festeisdecke überzogen würde, 
und daß der Vereisungsbeginn für die Bottenwiek auf den 1. November durchschnittlich angesetzt werden könne, 
so muß diese Annahme weitgehend berichtigt werden. Von einer weiteren Ausdehnung des Küstenfesteises als bis 
zu den äußeren Schären kann nicht die Rede sein; andererseits ist der Beginn der Festeisbildung entsprechend den 
Isokryonen des Ostseehandbuches entschieden bereits im Oktober festzustellen, in den innersten Winkeln sogar 
Anfang Oktober. 
Die Strecke zwischen Karlö und dem Festland bei Toppila, durchaus seichtes, an Süßwasser reiches Meer 
wasser, vereist etwa am 1. Dezember so, daß sich eine passierbare Festeisdecke vorfindet. Im strengen Winter 1914/15 
war die Eisdecke zwischen Karlö und dem Festland bereits am 22. November für Fußgänger passierbar, und am 
28. November konnte eine heftiger SW-Sturm ihr nichts mehr anhaben, sie blieb fest. Wir haben hier ein ge 
wisses Maß für die Geschwindigkeit, mit der das Wachsen des Festeisgürtels von der Küste aus vor sich geht. 
Es ist zunächst das horizontale Wachstum zu unterscheiden, bis sich das vom Festland und von Karlö aus vor 
schiebende Eis trifft; ferner muß danach noch die Verdickung des zuletzt vereisten Stückes auf Tragstärke ein- 
treten. Die Tragstärke kann man durchschnittlich für einen Fußgänger auf 10 cm ansetzen. Unter diesen Um 
ständen ergibt sich eine ziemlich rasche Eisbedeckung des Schärenhofes. Da der Schärenhof im finnischen 
Winkel der Bottenwiek seine größte Breite und geringste Tiefe besitzt, besteht Grund zu der Annahme, daß zu 
diesem Zeitpunkt auch die übrigen Teile des Schärengürtels dieses Gebietes fest vereist sind. 
Die Ursachen der frühen und schon recht intensiven Vereisung in dem Schärengebiet der Bottenwiek liegen 
in folgenden Tatsachen begründet: Die Windstärke ist in den nördlichsten Gebieten ziemlich gering, so daß 
Strahlungswetter relativ häufig eintritt und, wegen der hohen Breitenlage, im Herbst Frost bedingt. Dadurch wird 
das Wasser zunächst abgekühlt, bis es „eisreif“ ist, d. h. bis keine Konvektion mehr stattfinden kann und die 
Oberfläche unter das Dichtenmaximum abgekühlt ist. Dieser Zeitpunkt der Homogenität des Wassers wird wegen 
der geringen Tiefe des Schärengürtels bald erreicht. Früher Frost bedingt ferner frühes Auftreten von Schnee 
fall, der das Wasser außerordentlich rasch abkühlt. 
Während des Hochwinters hat das Eis eine solche Stärke angenommen, daß vorübergehende Wärmevor 
stöße im Gefolge südwestlicher Winde dem Küstenfesteisgürtel nichts mehr anhaben konnten. So hatte im Winter 
1912/13 das Eis bereits am 18. Dezember diesen Grad erreicht, der die Hochwinterlage für dieses Gebiet charak 
terisiert. Über das Fortschreiten der Eisbildung meerwärts vgl. Abschnitt 9.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.