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Full text: 53, 1934/35

Haarnagel: Eine landschaftskundliche Untersuchung des Elbufers zwischen Glückstadt und Kollmar 
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Der Vorgang ist bereits beschrieben worden. Der Angriff durch Eisschollen wird allerdings durch die Stacks 
stark vermindert. Der Abbruch ist daher nicht ganz so stark wie bei einem völlig ungeschützten Reth- 
abbruchsufer. 
2. Das Watt. 
Quer durch das Watt ziehen sich in ungefähr 150 m Entfernung Steinbuhnen. Sie haben den Zweck, 
die hart auf das Ufer stehende Strömung abzulenken und unschädlich zu machen. Der Aufbau einer solchen 
Buhne ist ähnlich wie der des Steinufers. Zuerst sind auch hier Pfähle in den festen Wattuntergrund ge 
schlagen worden. Zwischen diesen wurde Weidenbusch befestigt und darauf eine hohe Schicht Steinschutt 
geworfen. Das ganze wurde mit Kopfsteinen belegt. (Siehe Skizze 5). Der Busch soll auch das Wegreißen 
des Bodens unter dem Stack verhindern. Dies kann nämlich sehr leicht durch die hinter dem Stack ent 
stehenden Saugwirbel geschehen. Das Stack würde dann versinken. Bei den Stacks am Steindeicher Leucht 
feuer ist dies geschehen; man mußte sie erhöhen. 
Das Watt ist schwach geböscht. Es fällt nur ganz allmählich zur Elbe ab. Sobald es aber über die 
Stacks hinaus ist, fällt es plötzlich steil in die Tiefe. Wir haben daher kurz hinter den Stacks ein Absinken 
von 2—3 m unter der mittleren Niedrigwasserlinie. Am Rande des Watts geht eine starke Ebb- und Flut 
strömung entlang. Das Baden bei Ebbe ist aus diesem Grunde hier sehr gefährlich. 
Das Watt ist meistens von einer Schlickschicht überzogen. Diese ist 10—20 cm stark. Sie wird durch 
den Stau gebildet, den das Ebbwasser an den Stacks erfährt. Eine Auflagerung findet aber nicht statt. 
Bei Flut wird die Strömung so stark, daß der Schlick wieder hinweggeführt wird. Zwischen den Stacks 
bilden sich dann Strudel, die den Schlick aufwirbeln. Bei Sturmfluten kann sogar die feste Kleischicht 
unter dem Schlick angegriffen werden. Man kann daher zwischen den Buhnen kolkartige Vertiefungen im 
Watt finden, die mit Schlick ausgefüllt sind. 
Im Watt kann man an Oberflächenformen kleine Priele beobachten. Rippelmarken werden nur in dei 
Nähe des Ufers ausgebildet; denn nur hier ist das Watt sandig und fest. 
Dicht am Ufer, im Schutz der Stacks, haben sich Binsen angesiedelt. Aber auch nur an solchen Stellen, 
wo die Strömung nicht so hart geht. Beim Steindeicher Leuchtfeuer sind sie wegen der starken Flut 
strömung im Watt nicht mehr zu finden. 
a') Das Watt in den verschiedenen Jahreszeiten. 
Im Winter sind zuerst Watt und Buhnen von einer weißen Eisdecke überzogen. Beim Eistreiben aber 
schieben sich große Eisblöcke auf das Watt. Sie stoßen gegen die Buhnen und werden auf diese hinauf 
geschoben. Die Eisschollen schieben sich schließlich so übereinander, daß das Watt bis zur Höhe der Buhnen 
von Eis bedeckt ist. Man würde die Buhnen bei Ebbe nicht mehr erkennen, wenn nicht auf diesen hohe Eis 
blöcke ständen, die alles noch überragen. 
Die Eisblöcke richten im Watt großen Schaden an. Sie greifen vor allem den steilen Wattrand an 
und reißen hier Löcher ein. Die Buhnen erleiden ebenfalls starke Beschädigungen. Bei Sturmfluten werden 
sie durch die gegen sie anschlagenden Schollen beschädigt. Dies ist aber meist nicht so gefährlich, weil es ja, 
wie wir schon weiter oben gesehen haben, zu keiner Entwicklung von Wellen kommt. Viel gefährlicher ist 
das Festfrieren der Eisschollen auf den Steinen des Stacks. Bei Flut werden die Schollen zum Teil von der 
Strömung mitgerissen und nehmen dabei die Kopfsteine aus dem Stack mit. 
Im Frühjahr, nach Einsetzen des Tauwetters, verschwindet das Eis bald im Watt. Man kann jetzt 
erst den Schaden erkennen, der während des Winters entstanden ist. Dieser ist oft nicht unerheblich. Die 
Ausbesserungen verschlingen daher große Summen. Der Deichverband hat sich aus diesem Grund mit dem 
Staat in Verbindung gesetzt, der nun das Watt zwischen den Stacks durch Saugbagger aufsanden läßt. 
Man hofft, daß dadurch das Steinufer und die Stacks mehr geschont werden. Man hat in diesem Jahr damit 
begonnen, das Watt von Kollmar bis zum Steindeicher Leuchtfeuer aufzuschütten. Im nächsten Jahr soll 
der Rest von Steindeich bis dicht vor Bielenberg aufgeschüttet werden. 
Ich bin der Ansicht, daß in diesem Vorhaben eine gewisse Gefahr hegt. Ich glaube, daß durch Sturm 
fluten und bei trockenem Wetter durch den Wind viel Sand in das Vorland gebracht werden kann. Der 
Sand kann leicht die Grasvegetation vernichten. Wieviel Sand durch den Wind befördert werden kann, 
konnte ich bei Pagensand beobachten. Hier wurde durch ihn soviel Sand aufgewirbelt, daß man auf der 
Elbe wegen der ins Gesicht schlagenden Sandkörner nicht sehen konnte. Die Sandwolken sahen von Weitem 
wie Nebelschwaden aus. 
Außerdem befürchte ich, daß der Sand durch die Strömung bald wieder hinweggeführt wird und dann 
vielleicht an Stellen abgelagert wird, wo man ihn nicht gern sieht. Ein Sachverständiger versicherte mir
	        
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