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Gerhart Schinze: Die praktische Wetteranalyse.
eine Sperrschicht (y < 0) und zwischen der PL und TL eine Ubergangsschicht (y — 0 bis 0.5). Während
bei der Zwischenschicht, die als Angleichzone bzw. Mischzone zweier troposphärischer M verschiedener
Art und verschiedenen Alters gelten kann, und bei der Sperrschicht, die eine sprunghafte Änderung zwischen
zwei Hauptmassen andeutet, y zweimal einen O-Punkt durchläuft, hat die Bodeninversion nur einen
oberen Umkehrpunkt für y. Dieser bodennächste Teil der ©'-Kurve ändert seine Lage im allgemeinen sehr
rasch, da er (sein ©'-Zahlenwert) mit Ausnahme von aktiven — also stärker bewegten —■ M vom Tages
verlauf der Ein- und Ausstrahlung, sowie im stärksten Maße von der jeweiligen Unterlage abhängig ist.
Wie schon früher erwähnt, ergibt sich hieraus, daß eine Konstruktion von ©'-Isothermen am Boden fast
immer zu einer Fehlanalyse der troposphärischen Hauptmassen führen muß, und wie außerordentlich
wichtig daher eine Heranziehung und Verwertung aerologischer Daten zur praktischen Analyse der M ist.
Es wäre daher auch falsch, bei Vorhandensein von Bodeninversionen durch Zeichnen von ©'-Isothermen
auf der Wetterkarte eine Abgrenzung dieser kältesten Bodenschichten vorzunehmen, da es sich hierbei
um keine dynamisch bedingten Luftscheiden, sondern um das rein thermisch bedingte und stark lokal
variierte Produkt nächtlicher Ausstrahlung handelt. Man liefe sonst auch leicht Gefahr — wie schon
Bergeron 4 1928 (Seite 68 2) schreibt —, daß man bei einer synoptischen Abgrenzung „derartiger Luft
körper“ wesentlich nur mit Hilfe der Bodentemperaturen (bzw. der ©'-Bodenwerte ohne Berücksichtigung
der Thetagramme) sämtliche dynamisch belanglosen, lokal-orographisch bzw. kontinental-maritim be
dingten Fronten den dynamisch wuchtigen, wetterwirksamen Massengrenzen gleichstellt, wenn nicht gar
überordnet. Für die Vorhersagepraxis sind außerdem derartige, nur auf die unterste Schicht be
schränkte, wenn auch oftmals recht große Unterschiede der Bodenwerte für die M-Diagnose nur von
sehr geringer Bedeutung. Ein Einzeichnen dieser nicht wetterwirksamen Fronten kann leicht zu Fehl
schlüssen der wahren M-Verteilung und damit auch zu Fehlprognosen führen.
Typthetagramme.
Während bei unseren bisherigen Betrachtungen vornehmlich die Größenordnung von ©', T, R und y
bei der Analyse der troposphärischen M behandelt wurde, soll nunmehr eine Darstellung und Besprechung
von Thetagrammen gegeben werden, die typische Vertreter bestimmter Einzelwetterlagen sind. Die
Form dieser „T yp-Thetagramme“ ist dabei bestimmten Wetterlagen in gleicher Weise eigen, und
in Verbindung mit der Größenordnung von 0' gibt die Form des Thetagramms bereits wichtige Anhalts
punkte über Art und vertikale Begrenzungen einer oder mehrerer übereinander lagernder troposphä
rischer M an. Die Form des Thetagramms zeigt ferner, welche Richtung der Entropiestrom hat und ob
wir es mit aktiven M oder bereits mit Übergangsmassen zu tun haben. Die Diagnose wird durch die
Heranziehung des Thetagramms in jeder Weise erleichtert. Das Thetagramm zeigt deutlicher als die
gewöhnlichen z - T - Diagramme, daß zwischen Massen verschiedenen Ursprungs, Lebensgeschichte und
Alters, die aus dynamischen Gründen zusammengeführt wurden, sich immer eine Sperrschicht bzw. Über
gangsschicht feststellen läßt, während rein strahlungsmäßig und lokal-orographisch bedingte thermische
Umwandlungen der untersten Schiebt in ein und derselben M sich nur als Knick der bodennahen ©'-
Kurve zeigen (vgl. auch Fig. I 1 „schematisiertes Typthetagramm“).
Typ-Thetagramm (A L).
Das Typ-Thetagramm der Fig. I 2 zeigt eine aktive eingebrochene mAK im Mittwinter. Als Beispiel
wurde Hamburg vom 16. Januar 1929 gewhhlt. Zur Wetterlage ist zu bemerken, daß ein an der arktischen
Frontalzone gebildetes Störungszentrum am 16. Januar 1929, 8 Uhr, Südschweden erreicht hat, dem in
breitem Strome AK folgt, die in Mitteleuropa eingebrochen ist. Die Massen können nicht als völlig
homogene KM angesehen werden, haben aber doch in jeder Weise die charakteristischen Hauptmerkmale
einer aktiven AK. Das Thetagramm von Hamburg zeigt eine beginnende, bis etwa 100 m reichende Boden