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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 50. Bd. Nr. 4.
leben—-Hügel hinaus. Am Morgen des 7. Januar nehmen beide Fronten ihre ursprüngliche Bewegung
wieder auf und bringen die Luftmasse der Zwischenschicht allmählich» zum Verschwinden. Schon die
Tiefe von 5 X 10*m am Morgen 8 h deutet darauf hin 15 ). Die sekundären Kaltfronten von B 2 sind um
diese Zeit bereits verschwunden. Die Frontalmasse wird in der Höhe von E nach W abtransportiert
(vgl. Oberwinde), wobei infolge gleichzeitigen Hebens der Luftmasse erhebliche Niederschläge auftreten
müssen.
Diese Annahme wird durch die gemessenen Niederschlagsmengen durchaus gestütjt. In den Karten 17,
18 sind die Niederschläge durch Isohyeten dargestellt. Aus der Karte 17 vom 7. Januar ergibt sich, daß
das Maximum der Niederschläge tatsächlich in dem Gebiet der Frontalzone und in deren unmittelbaren
Nähe gefallen ist (z. B. Brocken, Erfurt, Schneeberg, Altenberg). Die abnorme Breite des Niederschlags
gebietes im Anschluß an die Kaltfront KBIV von stellenweise über 100 km Tiefe wird nicht nur durch
passives Aufgleiten, wie bei den eigentlichen Böenfronten, sondern durch Abhebung der Frontalmasse
mit gebildet werden. Dabei sei bemerkt, daß in der Frontalzone doppelter Niederschlag fällt. Einmal
durch aktives Aufgleiten der Warmluft, das andere Mal durch das passive der Frontalmasse. Das
Niederschlagsgebiet hat fast die Größenordnung der Aufgleitniederschläge 3 ).
Die Zeit und Art der Niederschlagsbeobachtungen entsprechen durchaus den Erwartungen, wenn wir
sie mit den auf S. 28 gegebenen Wetterzonen vergleichen, Stationen, die dauernd im Kalten verbleiben,
beobachteten nur Schneefall (Potsdam, Berlin). Solche mit Warmsektor und Kälteeinbruch erfahren
Regen und darauffolgenden Schneefall (Bamberg, Reitjenhain, Chemnitj usw.). Schließlich Stationen der
Frontalzone Regen und Schnee, anschließend mit dem Kälteeinbruch nur Schnee. Besonders interessant
spiegelt sich die auf S. 29 gegebene Geschichte von Erfurt in der Niederschlagsbeobachtung wieder, das
entsprechend der eingetretenen Temperaturphasen :* (Frontalzone), : (Warmluftbesuch),:* (Frontal
zone), 4* Schneegestöber (Kaltlufteinbruch) beobachtete.
Die Niederschlagsverteilung wäre sicher weit interessanter, wenn man noch das Gebiet mit „Drizzle“
abgrenzen könnte. Leider aber beobachtete keine Station diese Niederschlagsform, die bekanntlich bei der
neuen Beobachtungsmethode einen erheblichen Faktor zur Festlegung der Frontcharakteristika darstellt.
Das Niederschlagsmaximum nun, das auf der Karte 17 über dem Erzgebirge liegt, dürfte zum
großen Teil orographischen Ursprungs sein 18 ).
Auch die Niederschlagsverteilung des 6. Januar (Karte 18) läßt erkennen, daß das Maximum sich
nach der Frontalzone hin streckt. Westlich des Rheins ist dasselbe die Folge von WCI und WCII.
Die Lage vom 7. Januar 8 h ist ein typisches Beispiel für eine Frontalzone, wie sie Bergeron
kürzlich definiert hat 15 ). Sie ist im vorliegenden Falle durch ein homogenes Windfeld geringer Intensität
charakterisiert, das allerdings erst im Laufe der Entwicklung zu einem solchen werden konnte. Die Tiefe
von 5 X 10* m liegt schon unter der mittleren Größenordnung von 10 5 m für Frontalzonen. Der obige
Schluß auf baldiges Verschwinden ist daher berechtigt.
Nach völliger Auflösung der Frontalzone, die, wie wir gesehen haben, in den Morgenstunden des
7. Januar vollzogen wird, fallen schließlich die Fronten KBIV und WCI zusammen. Die ursprünglich als
KBIV zu B gehörige Böenfront wird dadurch zu einer solchen von C als KCIV.
Die eben angestellten Untersuchungen über die Lebensgeschichte der Frontalzone haben nun weiter
ergeben, daß der fast stationäre Zustand von KBIV nunmehr endgültig beseitigt ist. Die Kaltluft bricht
gleichmäßig südwärts ein. Es ist offenbar wieder der Diesingsche Fall, wo eine Warmfront zur Kalt
front wird 13 ). In Ergänzung der Lebensgeschichte von KBIV sei noch erwähnt:
Wie die Karten vom 6. Januar 19 h , 7. Januar 8 h und 14 h lehren, hat die Zyklone B im Norden
noch mehrere Kaltluftstaffeln für einen südlichen Vormarsch bereitgestellt. Sie stoßen während der
Nacht zum 7. Januar südlich vor und führen damit KBIV immer neue potentielle Energie zu, die dann
in Form des endgültigen Durchbruches der Kaltluft frei werden. Nur ganz vorübergehend wird das
Mittelgebirge seine Hinderniswirkung beim Einbruch von KBIV geltend machen, denn die Verlagerung
derselben geht bis zum 8. Januar 8 h ziemlich stetig vor sich.