G. Bau mann: Sfcrömungseinfluß des mitteldeutschen Gebirgsrandes und seine Bedeutung für die Flugmeteorologie dieses Gebietes 29
Vor dem eigentlichen Mittelgebirgsrand (Weserbergland—Harz) zeigt sich ein Staugebiet, das wegen
seiner eindeutigen Begrenzung im Norden eine besonders wertvolle Ergänzung der Strömungskarte darstellt.
Innerhalb des Staugebietes herrschen meist westliche, also stark abgelenkte Winde. Unmittelbar am Ge-
birgsrand ist die Stromliniendichte jedoch so groß, daß erhebliche Windgeschwindigkeiten (Staubeschleu
nigung) auftreten.
4. Nordwetterlage
(s. Karte 5).
Ganz systematisch vollzieht sich der Übergang zur Nordwetterlage. Das wichtigste Merkmal für nörd
liche Winde ist ein dem Gebirgsrand vorgelagertes Staugebiet. Dieses Staugebiet ist für die Strömungs
untersuchung von größter Bedeutung. Sowohl am Weserbergland und Harz als auch am Thüringer Wald
und Erzgebirge stößt man auf bereits aus den Strömungskarten bekannte Linien, Aller—Magdeburg und
Eisenach—Dresden, die sich auch in der Geschwindigkeitsverteilung als Unstetigkeitslinien hervorheben. Es
ist damit die Einflußzone des Gebirgsrandes auch ihrem Umfange nach bestimmt.
Das Beschleunigungsfeld östlich des Harzes ist schon von der Nordwestwetterlage her bekannt; bei
Nordwinden besitzt es jedoch etwas andere Form. Im Osten ist es begrenzt durch die Elbe-Saale-Nie-
derung (Magdeburg—Halle), die schon bei anderen Wetterlagen, sei es im Stromfeld oder in der Geschwin
digkeitsverteilung, hervortrat. Damit ist gleichzeitig die Grenze des Einflußbereiches des Harzes im Osten
gefunden.
Das Staugebiet des Nordrandes erstreckt sich westwärts bis über Nordhorn hinaus — ein Zeichen, daß
Teutoburger Wald und Wiehen-Gebirge, wenn auch nicht in so hohem Maße wie Harz und Thüringer
Wald, die Strömung beeinflussen.
5. N o r d o s t w e 11 e r 1 a g e
(s. Karte 6).
Ein ganz anderes Bild der Geschwindigkeitsverteilung erhalten wir, sobald eine östliche Komponente
des Windes auftritt. Um so typischer aber ist die Verteilung der Beschleunigungs- und Verzögerungsfelder.
Vor den drei Hauptmassiven findet man Staugebiete, an den Gebirgsrändern Beschleunigungsfelder. Die
am Harz und Weserbergland aufgehaltcne Strömung wird zwar zum größten Teil nach Art der zwei
dimensionalen Strömungsform über das Gebirge gehoben, doch wird ein Umströmen zu beiden Seiten nicht
unterbleiben. Zwischen Harz und Thüringer Wald kommt zu dieser Beschleunigung noch der Einfluß
düsenförmiger Stromverengung hinzu, wie schon bei westlichen Winden festgestellt wurde. Die Form des
Beschleunigungsfeldes ist für diesen Vorgang typisch. Auch in dieser Wetterlage erkennt man, daß das öst
lich des Harzes gelegene Staugebiet mit der Saale abschließt.
Am Gebirgsrand findet seitliches Umströmen statt, das je nach Windrichtung entweder östlich dtes Harzes
(Nordwest- und Nordwinde) oder westlich des Wiehen-Gebirges (Nordost- und Ostwinde) erfolgt. Dabei
ist vielfach zu beobachten, daß die Geschwindigkeit auf dem Wege längs des Gebirgsrandes zunimmt, um
an der Umströmungsstelle selbst den Höchstwert zu erreichen. Es ist dies verständlich, wenn man annimmt,
daß die Stromliniendichte durch Hinzutreten mitgerissener Luftmassen immer größer wird und außerdem
von der Umströmungsstelle her die Luftmassen angesaugt werden.
Das Münsterer Becken ist als Gebiet großer Beschleunigung gekennzeichnet. Die Wirkungsweise ist die
selbe wie bei Südwest- und Westwinden: Zusammen drängen der Stromlinien am Nord- und Nordwestrand
des Rothaar-Gebirges. Dieses Beschleunigungsfeld pflanzt sich westwärts am Nordhang der Eifel fort.
Schon mehrfach wurde auch in den Karten der Geschwindigkeitsverteilung auf die Ähnlichkeit und Zu
sammenhänge der einzelnen Wetterlagen hingewiesen. Vergleicht man die Geschwindigkeitsverteilungen
„entgegengesetzter“ Wetterlagen, so findet man prinzipiell dieselben Verhältnisse. Dies soll einmal an dem
Beispiel der Nordost- und Südwestwetterlagen gezeigt werden (s. Kart, i u. 6). Die Beschleunigungsfelder
haben fast gleiche Form und Lage. Man betrachte die Gebiete zwischen Thüringer Wald und Harz und jene