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Volltext : 49, 1930/1931

messungen  und  andere  Beobachtungen  auf  einer  flugwissenschaftlichen  Forschungsreise  nach  Rio  de  Janeiro  und  dem  La  Plata.  73

deutliche  Trübungszunahme  nach  der  Höhe;  während  die  Teile  des  Ufers  mit  sandigen  Abhängen,
ein  Wechsel  von  helleren  und  dunkleren  Stellen,  noch  einigermaßen  zu  unterscheiden  waren,
war  von  dem  höheren  Teil  der  Insel,  einem  bis  400  m  hohen  Vulkan-Massiv,  nur  der  von  beiden
Seiten  ansteigende  Fuß  zu  erkennen,  die  oberen  höchsten  Teile  verschwammen  ganz  in  Dunst.
Es  hatte  durchaus  den  Anschein,  als  tauchte  ein  Gebirgszug  bei  einer  abgeschnittenen  Schichtgrenze ­
  in  Wolken  ein;  doch  handelte  es  sich  hier  keineswegs  um  solche,  der  Himmel  war  vollkommen ­
  rein,  nur  einmal  zeigten  sich  am  Vormittag  wenige  a-str  auf  der  den  Inseln  entgegengesetzten ­
  Seite  nach  der  afrikanischen  Küste  hin.  Gegen  11,00  Uhr,  als  Boavista  querab
Steuerbord  lag,  konnte  die  horizontale  Sichtweite  zu  höchstens  15  km  fcstgestellt  werden,  ein
starker  Abfall  gegen  die  Tage  vorher  und  noch  gegen  die  Sichtangabe  am  Morgen.
Gegen  16,00  Uhr  kam  die  nächst  südliche  Kap-Verden  Insel  Maio  in  Sicht.  Der  trübende
Dunst  schien  gegen  den  Vormittag  noch  zugenommen  zu  haben.  Erst  querab  der  Insel,  in  einer
Entfernung  von  14  km,  waren  die  schwachen  Konturen  ihrer  Berge  mit  dem  285  m  hohen
Mt.  San  Antonio  zu  erkennen.
Mit  den  hier  gezeichneten  Erscheinungen  decken  sich  auch  die  Beobachtungen  bei  den  Pilotvi
  sierungen  dieses  Tages.  Der  Vormittagspilot  wurde  gegen  9,40  Uhr  hochgelassen  und
trieb  mit  östlichen  Winden,  die  schon  sehr  bald  in  400  m  Höhe  einsetzten,  direkt  gegen  die  Inseln.
Schon  in  der  5.  Minute  verschwamm  ein  275  g  schwerer  Gummiballon  mit  einem  Auftrieb  von
760  g  und  einer  Steiggeschwindigkeit  von  360  m  in  der  Minute,  vollständig  im  Dunst  und  konnte
nicht  mehr  gesehen  werden,  obwohl  der  Himmel  nach  dieser  Seite  vollständig  ohne  Wolken  war.
Die  Höhe,  in  der  der  Ballon  verschwand,  war  1800  m,  seine  Entfernung  in  der  Horizontalen  4  km.
Der  Mittagspilot  konnte  zwar  etwas  höher,  bis  4000  m  verfolgt  werden,  verschwand  aber  dann
auch  bei  wolkenlosem  Himmel  aus  dem  Gesichtsfeld.
Auch  noch  am  nächsten  Tage,  dem  25.  Dezember,  als  die  Kap-Verden  bereits  hinter  uns
lagen,  zwangen  die  Wahrnehmungen  beim  Pilotvisieren  zur  Annahme  einer  stark  absorbierenden ­
  Dunstschicht  in  der  Höhe.  Der  Nachmittags  -  Pilot  verschwand  nach  der
5.  Minute  schlagartig  mitten  im  Fadenkreuz,  ohne  daß  Wolken  in  dieser  Himmelsgegend  standen.
Zur  Sicherstellung  der  Erscheinung  wurden  noch  2  weitere  Ballone  hochgelassen  mit  dem  gleichen
Resultat  eines  plötzlichen  Verschwindens  mitten  aus  dem  Gesichtsfeld,  das  nicht  einmal  durch
vorhergehendes  allmähliches  Schwächerwerden  angekündigt  war.  Solch  plötzliches  Auslöschen
läßt  sich  nur  durch  die  Annahme  einer  stark  absorbierenden  Dunstschicht  erklären,  die  einen
markanten  Dichtesprung  darstellen  muß.  Der  Schiffsort  war  zu  dieser  Beobachtungszeit:
9  =  11"  30’  N.
I  =  24"  35’  W.
Die  Höhe  der  absorbierenden  Schicht  muß  nach  den  Beobachtungen  dieses  Tages  etwa  in  1500  m
gesucht  werden.  *  ,
Die  Windverhältnisse  im  Raume  der  Kap-Verden  bei  der  Ausreise  waren  folgende:  Der
bodennahe  NE-Passat  zeigte  eine  verhältnismäßig  geringe  Mächtigkeit  (400  —  800  m),  darüber
war  die  passatische  Ostströmung  (Urpassat)  breit  entwickelt  und  festgestellt  bis  5500  m.  Die  Erreichung ­
  größerer  Höhen  verhinderte  leider  die  große  Trübung  und  Unsichtigkeit  der  Atmosphäre.
Sichttrübungen  im  Bereich  der  Kap-Verden  sind  eine  dem  Seefahrer  bekannte  Erscheinung.
Sie  rühren  ebenso  wie  die  noch  weiter  südlich  angetroffenen  absorbierenden  Dunstschichten  in
der  Höhe  von  feinem  Wüstenstaub  und  Wüstensand  her,  der  aus  den  Gegenden  des  benachbarten
afrikanischen  Kontinents  zwischen  Kap  Juby  und  Kap  Verde  stammt.  In  unserem  Falle  wurde
die  Natur  der  Sichttrübung  noch  besonders  erhärtet  durch  Spuren  einer  gelbgrauen  pulvrigen
Masse,  die  am  25.  Dezember  an  Bord  gefunden  wurden  und  die  sich  wie  feiner  Sand  anfühlten.
Die  Staubdurchmischung  der  Atmosphäre  erreicht  nach  anderen  Beschreibungen  oft  solche  Intensität, ­
  daß  bei  wolkenlosem  Himmel  die  Sonne  am  Mittag  nur  als  rote  Scheibe  erscheint  und  daß
an  Bord  der  Schiffe  alle  Gegenstände  sich  mit  einer  Schicht  feinsten  rötlichen  Staubes  überziehen.
            
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