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Aus dein Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. lieft 2.
Von Getreidearten sind Gerste und Mais angebaut; am Boden zieht man Gemüse (Kohl, Radieschen,
Tomaten) Gurken, Melonen und Kürbisse, sowie Zwiebeln und Pfeffer. Die Pflanzen gedeihen jedoch nur
den Sommer über — April bis November — während sie gegen die Kälte des Winters zu empfindlich sind.
Palmen sind in allen Entwicklungsstadien zu sehen: eingesetzte Stecklinge vom 1.—5. Jahr, außer gut-
gepflegten Bäumen auch verwilderte Schößlinge. Ein solcher Garten mit Schößlingen sieht naturgemäß
nicht so undurchdringlich aus wie ein ausgewachsener Palmenwald, dessen Stämme 50—70 Jahre zählen,
zwischen denen Obstbäume, Sträucher und Gemüsebeete liegen, vielmehr macht er den Eindruck einer
Obstbaumsteppe. Aber auch 150—200 Jahre alte Bäume trifft man in der Palmenoase an. Solche Palmen
übertreffen die andern an Größe bei weitem, nicht aber hinsichtlich der Qualität ihrer Früchte.
Einige ziemlich breite, ebene Straßen durchziehen die Oase, deren Grärten durch ein enges Netz von
offenen Bewässerungskanälen zerschnitten werden. Diese Kanäle führen z. T. über die ebenso geradlinig
gezogenen Abzugsgräben hinweg. Diese sind 1—2 m tief in den Boden eingetieft, um die schädlichen
Stoffe, aufgelöste und abgeführte Salze, aus dem Bereich der Kulturen herauszubefördern und draußen in
der Wüste abzusetzen. Dadurch wird der Boden entsalzt und Versumpfung verhindert. Die Zufuhrkanäle
liegen / m über dem Niveau der Gärten, in denen die Palmen in 5—8—10 m Abstand voneinander
wachsen. Das Wasser wird durch das System der saguias von den artesischen Brunnen — in Touggourt
etwa fünfzig — hergeleitet, die vielfach gar nicht eingefaßt sind. Es stammt aus 60—70 m Tiefe und
entströmt dem Salzlehmboden. Die Stelle des Quellaustrittes wird meist nur durch Holzbretter bedeckt.
Im Norden drohte (1907) den Gärten eine Verschüttung durch den Sand, der teilweise in breitem,
hohen Wall vorrückte, so daß bereits einige Palmenkronen verschwanden.
Durchquert man die östliche Flußniederung, deren Uferböschungen aus Lehm mit dicker Gipskruste
bestehen, so gelangt man auf Sanddünen, die ein ganz kompliziertes Gewirr von Rücken und Kuppen dar
stellen. Es ist der Beginn des großen Dünenfeldes, das über das Souf hinaus nach Osten reicht. Die Höhe
dieser Dünen gibt Passarge mit 20—30 m über der Gipslehmfläche an. Sie tragen nur ganz vereinzelte
Grasbüschel und Zwergsträucher, während in den sandigen Niederungen das Land infolge der vielen
einzelnen Büsche wie gesprenkelt aussieht (Zwergstrauchsteppe).
Nicht weit im Süden von Touggourt liegen die Oasen Temacine und Beled Ahmur inmitten der vege
tationsarmen Salzlehmwüste mit Flugsandbedeckung, sowie die Vereinigung des Wadi Igharghar mit dem
Wadi Mya; noch weiter südlich ändert sich das Aussehen der Landschaft. Die Grundwasserstrom-Oasen
niederung des Wadi Rir ist mit Touggourt und den benachbarten Oasen abgeschlossen. Sie geht in
4. die pfannemeiche Nebka- und Regwüste ohne Oasen zwischen Touggourt und Wargla
über. Es handelt sich um Lehm- oder Kiesflächen, über die z. T. der Flugsand wandert, z. T. echte Dünen
ziehen. Zahlreiche flache Salzlehmpfannen sind dem Boden eingesenkt 49 ).
Die Regwüste ist eine wie die Hamada völlig vegetationslose Kiesebene mit Lehmuntergrund — in
einigen Fällen auch Lehmebene —, die sich nur auf der Horizontalsohle der Wadis findet. Auch sie
kann riesige Ausdehnung erreichen. Die Kiesbedeckung besteht aus meist runden, selten eckigen Ge
rollen von Quarz, Sandstein, Kalkstein von verschiedener Größe und besitzt am häufigsten weiße, rote,
gelbe, schwarze oder braune Färbung. Der Kies bildet eine dünne Deckschicht über geröllhaltigem Sand,
der manchmal so fein und tonig sein soll 50 ), daß an seiner Oberfläche — aber unter der Kiesschicht —
polygonale Trockenrisse im Schlamm auftreten.
In einem Bodenprofil führt Chudeau die folgenden Lagerungsverhältnisse an. Eine Lage abgerollter
Quarzsteinchen von 5 mm bis 1 cm Durchmesser bildet die festgestampfte Oberfläche. Darunter liegen
10 cm reiner Sand mit kleinen Kieseln, der weiter nach unten in tonigen Sand übergeht. Jedoch scheint
die Regwüste auch in Form einer völlig ebenen Lehmfläche vorzukommen. Passarge beschreibt letztere
4e ) Vgl. Tabelle Flatters (Derrecagaix: Exploration du Sahara). Paria 1882. S. 23.
50 ) Bourcart a. a. O. S. 13.