Lindt, W.: Ein Libellenquadrant in neuer Form für astronomische Ortsbestimmungen. 33
Die Moderation der Helligkeit wird durch einen variablen Widerstand mit
Schleifkontakt vorgenommen. Zur Speisung der Lampe dienen die für diesen
Zweck besten Trockenelemente. Als solche sind nach langjährigen Erfahrungen
des Verfassers nur Siemens & Halske-Trockenelemente zu empfehlen, Für
längere Reisen oder an Orten, wo sie schwierig zu beschaffen sind, nimmt man
sogenannte Lagerelemente, die beliebig lange, ohne von ihrer Leistungsfähigkeit
einzubüßen, lagern können. Sie sind gegen Erschütterungen und hohe Tempera-
turen gesichert und werden nur durch Einfüllen klaren Wassers innerhalb einer
Stunde betriebsfertig gemacht.
Für Luftfahrten zum Beispiel befinden sich die Elemente sowie‘ der
Moderationswiderstand in einer rindledernen Umhängetasche, die die zum: An-
schließen der Zuleitungen notwendigen Klemmen enthält, ”
Was die Handhabung des Instrumentes betrifft, so richtet man das Fern-
rohr durch Erfassen des Handgriffes mit. der rechten Hand auf den zu beob-
achtenden Stern, während man die Alhidade durch Festhalten der randerierten
Scheibe mit der linken Hand bei gelöster Tangentialschraube so weit herumführt,
bis die Libellenblase im Gesichtsfeld sichtbar wird. Man klemmt nun die Alhidade
dureh radialen Druck auf die randerierte Scheibe nach dem Kreiszentrum hin
an den Limbus und läßt die Libelle durch Drehen der Tangentialschraube ein-
spielen, während das Gestirn auf die Fäden eingestellt ist.‘ Ist dies geschehen,
liest man zunächst die Beobachtungsuhr ab und dann das Instrument. Die Uhr
hält man während des Beubachtens ebenfalls mit der linken Hand, so daß ein
Gehilfe unnötig wird. Selbstverständlich muß die Quadrantenebene während der
Messungen eine senkrechte Lage haben. ;
Bei Nachtbeobachtungen kann man die Beobachtungslampe vorsichtig aus
ihrer Hülse herausziehen und mit ihrer Hilfe die Teilungen ablesen. A
Was die Leistungsfähigkeit des Instrumentes betrifft, so kann man bei
Ireihändigen Beobachtungen auf dem Lande und auf dem Schiff bei ruhiger See
eine Genauigkeit von 2 bis 3 Bogenminuten für die geographische Position er-
halten, bei Seegang auf schlingernden Schiffen mit sanfter Bewegung 3 bis
5 Bogenminuten,
Gestirnshöhen von mehr als 60° bis 62° vermeidet man besser, weil dann
das Bild der Libellenblase undeutlich wird .und auch eine Kantelung des In-
strumentes erhebliche Fehler bringt. Es lassen sich auch immer zur Orts-
bestimmung geeignete Sterne in geringeren Höhen finden.
Das Fernrohr ist so lichtstark, daß z. B. @ Ursae minoris auch bei leichtem
Dunst und intensiver Fädenbeleuchtung noch gut gesehen werden kann.
Für Beobachtungen an Land kann man durch Benutzung eines passenden
Stativs, in das der Libellenquadrant eingespannt wird, die Genauigkeit wesentlich
erhöhen. Über ein solches zu berichten werde ich mir für eine der nächsten
Nummern dieser Zeitschrift vorbehalten, sobald das erste Modell die Werkstatt
verlassen hat.
Charlottenburg, 16. November 1911.
Ann. d. Hydr. usw. 1912. Heft ı.