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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte.
Nr. 1. 1926.
August die Hudsonstraße 6, die Belle Isle-Straße 13 Nebeltage und 102 bzw. 220 Nebelstunden; im Juli
und August 1885 kamen auf die Hudsonstraße bei der Bigges-Insel 396, bei der Nottingham-Insel 136,
bei Ashe-Inlet 180, bei Stuparts Bay 187, bei Port Burwell 240, auf die Belle Isle-Straße aber 472 Std.
Nebel. Durchschnittlich hatten die 6 Hudsonstraßen-Stationen 1884 im September 40, im Oktober 10,
1885 im Juni 26, im Juli 46 und im August 74 Proz. der Nebelmenge von Belle Isle-Lighthouse.
Auch hinsichtlich der Stürme - die Schneestürme im September abgerechnet — steht die Hud
sonstraße günstiger da als die Belle Isle-Straße. Nach Gordon hatte die erstere im August 1884 nur
halb soviel Winde von über 40 miles (74 km) als die Belle Isle-Straße, und im September desselben
Jahres verhielten sich die Zahlen wie 3:11. 44 )
Ferner sind Dampfer, und zwar geschützte Dampfer ja im allgemeinen widerstandsfähiger
gegen das Eis, als Setgier, leiden auch nicht unter Windstillen. Weiter scheiden für die zukünftigen
Getreidedampfer, da sie diurchfahren, die Eisgefahren vor den Häfen aus. (Bruch eines Schraubenflügels
der „Alert“ vor Asbe-Julet am 12. Aug. 1885.)
Wirklich schlimme Unglücksfälle während der Söhiffahrtszeit vom 15. Juli bis 20. Okt. in der offe
nen Hudsonstraße sind den Dampfern auch nur selten widerfahren. Bloß drei Sehiffsverluste durch
Eis sind tatsächlich belegt: Der Untergang der Barke Kitty 1850 (bei Saddle-Back-Island in der Mitte
der Straße), der Barke Grahamei 1852 (Ort unbekannt) und der Barke George Henry. (Am 17. Juli 1863 bei
den Middle Savage-Inseln im Eise zerdrückt.)
Dazu hat die jahrelange Praxis für die Durchfahrt folgende allgemeine Regeln gewonnen: Bei
Eissperre am Osteingange lieber warten als die Einfahrt erzwingen (Wakeham 1897!); durch schweres
Eis und bei Schneesturm langsam fahren, bei ,ge fror nein Nabel“ unablässig auf der Mastspitze Aus
schau halten, bei Seichtigkeit (Mangel-, Southampton-Insel) beständig loten; bei großer Eisgefahr das
Schiff stoppen und an einer Eisscholle befestigen; auf östlicher Fahrt in abströmendem Eise die Ebbe
benutzen. Die durch Erfahrung erprobten besten Fahrtl'inien verlaufen — zum Teil im Gegensätze zu
den Ansichten der Segelschiffer, die vom Winde abhängig sind — in folgender Weise: Bei ostwest
licher Richtung, wenn noch Eis vorhanden ist, zunächst zwischen der Resolution-Insel und den Buttons
hindurch, dann in der nördlichen Hälfte des Schiffahrtskanals hin bis zur Big Insel, unter Einhaltung
einer respektvollen Entfernung von Festland und Inseln hin, endlich durch den Mittelkanal zwischen
der Nottingham-Insel und Kap Wolstenholme und auf der in der Regel eisfreieren Südseite des Kanals
zwischen Mansel- und Coäts-Insel ins Hudsonmeer hinein; bei westöstlicher Richtung zuerst in dem
günstigen Strome auf der Südseite der Straße hin bis zur Charles-Insel, dann durch ¡den Kanal südlich
dieser Insel, dabei bis Kap Weggs stets in angemessenem Abstande vom Festlande, weiter bis zur Länge
der Big Insel im Süden und schließlich in der Mitte des Mittelkanals durch.
Das Ergebnis der Bemühungen der kanadischen Regierung um die Erforschung der Eisverhält
nisse der Hudsonstraße während der zweiten Entwicklungsperiode des Hudsonbaiweg-Problems war also
folgendes: Die Eisverhältnisse gestatten nur eine dreimonatige Söhiffahrtszeit. Diese ist außerdem
nicht unbedingt sicher, wenn auch mehrere günstige Umstände ausgleichend ins Gewicht fallen. So
wurde mit der kritiklosen Übersteigerung der Leistungsfähigkeit des Hudsonbaiweges aufgeräumt und
auch für die Hudsonstraße als Trugschluß äbgelehnt die Behauptung, daß ein Handelsweg, der in einem
Zeiträume von 2 l li Jahrhunderten erst von den gebrechlichen, kleinen holländischen Fliebooten des 17.
Jahrhunderts, dann von den leichten zweimastigen Seglern der Hudsonbaigesellschaft und den breit-
bugigen, langsam segelnden Forschungsschiffen zur Zeit Barrys ohne viele Unglücksfälle durchfahren
worden sei, fest gebauten, gut geschützten Dampfern keine Schwierigkeiten bereiten könne; denn es ist
eben zweierlei: ein Schiff ohne besonders wertvolle Fracht zu nicht festgesetzter Zeit 45 ) oder ein Schiff
44 Zar Zeit des Treibeises (Juli) herrscht in der Regel wenig Wind, daher die verhältnismäßig größere Hilf
losigkeit der Segelschiffe bei den Fahrten der älteren Forscher.
45 ) Pelze, die wegen der Konkurrenz einmal eher auf den Londoner Markt kommen sollten, als es mit den
•Schiffen der Hudsonbaigesellsclia.it möglich war, wurden mit der Eisenbahn über Montreal geleitet!