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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1910. 
Beobachtungen von Venus am Tage. 
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Veranlaßt durch den in »Ann. d. Hydr. usw.« 1909, Heft XII, enthaltenen 
Hinweis auf die Möglichkeit der Beobachtung von Sternen bei Tage schreibt mir 
Herr Kapitän R. Petersen, D. »Uarda« der Kosmoslinie, daß seine Offiziere 
während der Reise ‘von Tenerife nach Valparaiso folgende Beobachtungen der 
Venus gemacht haben: 
»Am 21. April Nebenmeridianbreite der Venus und zugleich Höhe der Sonne 
zur Chronometerlänge um 8% 22"in V m. O. Z., Ah. 11m, Chr. St. + 1min 97sek, 
Chr. 0% 12min 8sek © 51° 30’, Chr. 0b 15min 6sek © 16° 4’, gibt Br. nach Venus 
zur Zeit der Beob. 43° 6’ S, die Mittagsbreite der Sonne reduziert auf Venus- 
Beob. gibt 43° 4'S N 57°0. 
Am 22, April Nebenmeridianbreite der Venus und zugleich Höhe der Sonne 
zur Chronometerlänge um 9b 46” V m. O. Z., Ah, 11 m, Chr. St. + 1min 288ek, 
Chr. 1b 48min 18sek 9 49° 15’, Chr. 1b '51min 20sek ©) 24° 18’, gibt Br. nach 
Venus zur Zeit der Beob, 45° 47’S, die Mittagsbreite der Sonne reduziert auf 
Venus-Beob. 45° 47’8S, Sonne = N 36.5°0. 
Am 23. April Venus im Meridian und zugleich Höhe der Sonne zur Länge 
um 9b 21m V m, O0. Z., Ah. 11 m, Chr. St. + 1min 30sek, 
9 H. 47° 32’ gibt Br. 47° 59’8S, Chr. 1b 34min 58sek © 20° 8’. Mittagsbreite 
der Sonne reduziert auf Venus-Beob. gibt 47° 59 S und 63° 53’ W-Lg. = S41°0. 
Am 24. April Venus im Meridian und zugleich Höhe der Sonne zur Länge 
9b 13m V m. O. Z., Ah. 11 m, Chr. St, + 1min 3z186k 
Q H. 44° 51’ gibt Br. 50° 23’8S, Chr. 1h 37min 37sek © 17° 18’. Mittagsbreite 
der Sonne reduziert auf Venus Beob. gibt 50° 28’S-Br. „ N 52.5°0. 
Schade, daß zur Zeit der Mittagsbreite es entweder zu bedeckt oder die 
Venus zu schwach zur Längenbeobachtung war. Mit etwas Übung und Geduld 
läßt sich die Venus erfolgreich am Tage beobachten. Leider hatten wir keine 
Gelegenheit, den Jupiter am Tage beobachten zu können, doch hoffen wir während 
unserer Rückreise nach Hamburg, Juli, August, Gelegenheit zu haben, Die Venus 
fanden meine Offiziere bei wolkenlosem Himmel und hellem Sonnenschein stets 
so mit bloßen Augen. Hat man die Venus erst an der Kimm, so ist sie klar 
und deutlich zu sehen. 
Am 18, April beobachteten wir zum ersten Male, auf 50° 57’ W-Lg. und 
34° 54’ S-Br., den Kometen in rw. N 60°0 17° über dem Horizont 4% V, Jetzt 
ist er hier des Morgens bei klarer Luft herrlich zu sehen.« 
Aus diesen Beobachtungen geht hervor, daß die Möglichkeit, die Venus 
am Tage zu beobachten, nicht auf den Passatgürtel beschränkt ist, da die letzte 
der vorstehenden Messungen auf der Breite von 50° $S ausgeführt ist. Auch hat 
‘') Es ist bereits mehrfach bemerkt worden, daß die Beobachtungen der Venus am Tage schon 
vor ihrer Besprechung durch Kapitän R. E. Thomas auf der Pilot Chart of the North Pacific Ocean 
von November 1909 des Hydrographic Office in Washington (s. Referat von Admiralitätsrat Professor 
Dr. E. Kohlschütter in »Ann. d. Hydr. usw.« 1909, S, 563 ff.) auch auf deutschen Schiffen An- 
wendung gefunden haben. Herr E. Nordmann, I, Offizier des Norddeutschen Lloyddampfers »West- 
falen«, macht der Redaktion darüber Mitteilung, aus der hier folgendes entnommen wird: »Es ist 
beim Norddeutschen Lloyd schon bei Eintritt des Schreibers in den Dienst der Gesellschaft vor 
11 Jahren gang und gäbe gewesen, derartige Beobachtungen zu machen und zu verwerten, Allerdings 
ist es bei uns gebräuchlicher, Venus bzw. Jupiter zur Kulminationszeit zu beobachten und eine gleich- 
zeitige Sonnenhöhe zur Längenbestimmung zu verwenden.« 
Daß diese Gestirnsbeobachtungen am Tage nicht allgemeiner bekannt waren und angewendet 
worden sind. steht außer Zweifel. Durch die Mitteilung des Kapitän Thomas in der Pilot Chart 
und das Referat von Admiralitätsrat Kohlschütter in dieser Zeitschrift ist dies Verfahren aber 
weitesten Kreisen bekannt gegeben und zu seiner Verwendung angeregt worden; man wird dafür gewiß 
nur Dank wissen. Die Aufgabe einer Zeitschrift ist, Wissenswertes und Nutzbringendes zu verbreiten; 
daß in engeren Kreisen etwas bereits bekannt gewesen und geübt worden ist, darf die Schriftleitung 
in diesem Bestreben nicht hindern. (D. Red.)
	        
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