W. B r e n n e c k
Die ozeanographischen Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition 1911—1912. 11
getroffenen Abänderung 1 ) noch dadurch verbessert wurde, daß unten seitlich ein Hahn für Entnahme des
Wassers angebracht wurde. So war es möglich, auch Proben zur Bestimmung des Sauerstoffgehalts des
Bodenwassers zu entnehmen. Zu letzterem und zu Alkalinitätsbestimmungen diente vornehmlich der
große Sigsbee-Schöpfer, der auch den Vorzug hat, daß sich das in ihm enthaltene Wasser weniger er
wärmt als in dem kleinen Schöpfer. Das mit dem Sigsbee-Schöpfer herauf geförderte Wasser ist nur
dann einwandfrei, wenn die über dem oberen Ventil befindliche Schraube durch den Propeller fest ge
schlossen worden ist. Bei unseren Schöpfern wurde diese Schraube beim Herunterlassen des Schöpfers an
fangs durch den Rückwärtsgang des Propellers so festgezogen, daß sie beim Aufhieven nicht geschlossen
wurde. Wir haben dem Übelstand durch einen kleinen Stift am unteren Ende der Schraube abgeholfen,
der gegen einen andern Stift anschlägt, ehe die Schraube bis zur letzten Windung herausgedreht worden
ist. Erwünscht wäre eine Konstruktion, die auch beim Loten die Verwendung von Schöpfern, die mittels
Fallgewicht ausgelöst werden, gestattete — die Auslösung des Fallgewichts, das am oberen Ende des
Vorlaufs zu befestigen wäre, könnte z. B. durch das abgleitende Sinkgewicht bewerkstelligt werden.
Thermometer-Kipprahmen. Es wurden an Bord verschiedene Modelle gebraucht (Seemann,
Richter und Andersen). Der am häufigsten eintretende Übelstand war, daß die Thermometerhülsen
nach dem Umkippen nicht in die Sicherung einschnappten, sondern beim Heraufkommen pendelten.
Diesem wurde dadurch abgeholfen, daß die Thermometerhülse oben mit einem Bleiring versehen wurde,
damit das Kippen kräftiger erfolgte. Die Rahmen waren alle für Propellerauslösung eingerichtet, im Eis
mußten sie später umgebaut werden für Fallgewichtsauslösung, da sie zum Studium der Temperatur
änderungen in einer bestimmten Tiefe gebraucht wurden.
Die große ozeanographische Winde zum Versenken der Wasserschöpfer an der Drahtlitze hat sich
im ganzen gut bewährt. Sie trug zwei große Trommeln, deren eine für die Serienarbeiten mit 7000 m
Drahtlitze von 2'/> mm Durchmesser belegt war, die andere Trommel trug 4000 m Drahtlitze von 2 mm
Durchmesser, welche zur Bootsverankerung dienten. Die Maschine wurde von von der Fabrik erst in den
letzten Tagen vor der Ausreise des Schiffes geliefert, so daß wünschenswerte Abänderungen nicht mehr
ausgeführt werden konnten. Infolgedessen war die Bremsung der Trommeln unvollkommen, ebenso die
Führung der Drahtlitze auf der Trommel — beides wurde mit Bordmitteln verbessert. Die Drahtlitze lief
von der Trommel zu einem Meßrad, das in einem an der Reling stehenden Davit federnd aufgehängt
war. Das Meßrad hatte einen Umfang von lm und zählte bis 10 000. Zählwerk und Meßrad haben sich
vortrefflich bewährt, nur hätten die Zahlen auf dem Zählwerk noch deutlicher ausgeführt sein können.
Die Bedienung der Instrumente war nicht ganz einfach, da der Davit sehr niedrig und der Platz an der
Reling durch die Wanten sehr eingeengt war; in der Regel wurden die Instrumente an Deck fertig ge
macht und vom Bootsmann, der außenbords stand, an der Litze befestigt; ehe die Instrumente weg-
gefiert wurden, überzeugte ich mich von der richtigen Einstellung. Die technische Ausführung der
Serien stand bis Süd-Georgien unter Leitung des Schiffsoffiziers Slosarszyk, der sich der Arbeiten
mit größtem Eifer annahm; nach seinem in Süd-Georgien erfolgtem Tode überwachte ich selbst die
Arbeiten. Während der ganzen Reise sind mit vereinzelten Ausnahmen alle Wasserproben von mir
persönlich entnommen, ebenso auch die Thermometer persönlich abgelesen worden, um Fehlerquellen
nach Möglichkeit auszuschalten.
Die Wasserschöpfer. In der Hauptsache wurden die Wasser schöpf er nach Ekman von 1 Liter
Inhalt benutzt, da sie sehr handlich sind und auch ziemlich sicher funktionieren. Dem Übelstand, daß
der Schöpfer nicht geschlossen hoch kommt, was sowohl bei uns wie auch auf anderen Expeditionen häu
figer vorgekommen ist, haben wir durch Beschwerung des einen Ventils durch eine Bleiplatte etwas
abgeholfen. Auch dies half nicht in allen Fällen; namentlich wenn der Draht schräg ausstand, war der
Schöpfer zuweilen nicht eingeschnappt und die Bestimmung des Salzgehalts sowie des Sauerstoffs nicht
möglich. Dies mangelhafte Funktionieren des Schöpfers mag zum Teil daran liegen, daß das Gestänge
des Schöpfers leicht verbogen wird; ein Richten der einzelnen Stangen hilft dem Übelstand oft ab.
1 ) Siehe Forschungsreise S. M. S. „Planet“ 1906/07 B(l. III S. 5.