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Full text: 35, 1912

Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. 1912, Nr. 2. 
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ursacht, fällt bei der Bewölkung auf den Wechsel des Beobachters, nämlich die Unterbrechung der 
Homogenität.“ 
In vielen Fällen wird die Ursache von Schätzungsfehlern das verschiedene Befolgen der Instruktionen 
sein. Bei leicht überzogenem Himmel wird von manchen 0 °, von anderen 1 0 angenommen *)• Nächstdem 
kommt die Vorliebe vieler für die geraden Zahlen in Frage. Köppen und Meyer * 2 ) vermuten, daß psycho 
logische Ursachen dieser eigentümlichen Tatsache zugrunde liegen, die sich bemerkensw r erterweise gerade 
bei den von vielen Personen gelieferten Schiifsbcobachtungen zeigt. Folgende, bei zwei zusammen 
genommenen Gradfeldern (Nr. 3 und Nr. 4, ca. 5300 Beobachtungen) angestellte Probe bestätigt diese 
Wahrnehmung durch Gegenüberstellung des Mittels der Häufigkeitswerte (%) der vier geradzahligen Be- 
wölkungsstufen und des Mittels für die Häufigkeit der fünf ungeraden Zahlenwerte der Himmelsbedeckung. 
Tabelle 1. 
Frühling Sommer 
Herbst 
Winter 
Jahr 
°/o °/o 
°/o 
°/o 
°/o 
h* (2 + 4 + b + 8) . . 
7,7 7,5 
8,4 
7,6 
7,8 
*/>(! + 8 + 5 + 7 + 9) 
7,3 5,3 
7,0 
6,9 
6,6 
Manche zu vorsichtige Beobachter wieder schreiben, wie Kremser 3 ) darlegt, 1 statt 0 an, indem sie 
sich durch wenige Cirruswolken abhalten lassen, den Grad 0 anzunehmen. 
Weit schwieriger noch gestaltet sich die Beurteilung der Bewölkung während der Nacht. Auf 
diese Fehlerquelle weist nächst Meißner 4 ) vor allem Steen 5 ) hin, der überhaupt nur Tagesbeobachtungen 
zur Mittelbildung verwendet wissen möchte, eine Forderung, die in allen den Fällen nicht erfüllbar ist, in 
denen das Material nicht nach Stundenmitteln veröffentlicht vorliegt. 
Eine andere Fehlerquelle liegt in der ungleichen Vollständigkeit des Überblicks über die Himmels 
wölbung. Enge Täler und freie Gipfel sind gegenüber der Aufgabe der Schätzung des Anteils der Be 
wölkung an der Gesamtarea des Himmels in sehr verschiedener Lage. 
Schließt man den unteren Teil des Himmelsgewölbes bis zu 30° Höhe von der Schätzung aus, so 
verringert sich der Bewölkungsanteil bedeutend, und man erhält Mittelwerte, die, wie eine Tabelle von 
Wild 6 ) zeigt, recht oft um 4 bis 8 °/o zu klein sind 7 ). Es liegt nahe, eine Unterschätzung der Bewölkung 
auch bei Stationen unseres Gebietes anzunehmen, deren freier allseitiger Ausblick gehemmt ist, und deren 
Mittel gegenüber denen benachbarter Orte auffällig niedrig sind. Vor allen anderen ist hier Delphi (34%) 
zu nennen, in dessen Norden sich der Parnaß zu steiler Höhe erhebt. Auch die Orte an der Riviera 
mögen wenigstens zum Teil ihre relativ niedrigen Durchschnittswerte der Verdeckung ihres nördlichen 
Horizontes verdanken 8 ), wie Abbazia sein geringes Jahresmittel der Lage zwischen felsigen Höhen. 
Schließlich sei noch auf die durch unsere Täuschung über die Gestalt des Himmelsgewölbes bewirkte 
Überschätzung der Bewölkung der untersten Zonen hingewiesen, von der in einer Arbeit von Leyst die 
Rede ist 9 ). 
’) Otto Meißner, Über die Schätzung der Bewölkung. Met. Zschr. Bd. 28, S. 40'41. 1911. Vgl. auch: W. Marten, 
Zur Frage der Bewölkungsschätzung. Met. Zschr. Nr. 28, S. 185/186 1911. 
2 ) W. Köppen und H. Meyer, Die Häufigkeit der verschiedenen Bewölkungsgrade als klimatologisches Element. 
Hamburg 1893, Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte XVI, Nr. 5. 1893. 
s ) Dr. Kremser, Bemerkungen über die Beziehung der mittleren Bewölkung zur Anzahl der heiteren und trüben 
Tage. Met. Zschr. Nr. 9, S. 324. 1885. 
4 ) 0. Meißner, Bewölkung und Sonnenschein in Potsdam. Met. Zsclir., Bd. 24, S. 408, 1907, und Met. Zschr., 
ßd. 28, S. 40. 1911. 
B ) Steen, Einige Studien über die Bewölkung. Met. Zschr., Bd. 26, S. 49ff. 1909. 
®) Wild, Bericht über die Verhandlungen der internationalen meteorologischen Konferenz. München 1891. 
7 ) Prozente der Himmelsfläche. 
8 ) Partsch, Korfu. P. Mitt. Ergh. 88, S. 48. 
9 ) Leyst, Über die Schätzung der Bewölkungsgrade. Bull, de la Société impériale des naturalistes de Moscou. 
Anné 1906. Nouvelle série, Tome XX, 217—269. Moscou 1907. Kef.: Met. Zschr. Bd. 25, S. 46. 1908. Vgl. auch: 
O. Meißner, Met. Zschr. Bd. 28, S. 40. 1911.
	        
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