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Full text: 33, 1910

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Beiträge zur Klimatographie von Nordspanieu und -Portugal. 
Archiv 1910. 2. 
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Teilen unseres Gebietes das Doppelte und Dreifache der Intensität eines Regentages in Mitteleuropa 
erreicht wird. 
Die größte Intensität der Niederschläge ist auf dem weitaus größten Teile unseres Areales unter 
den Jahreszeiten dem Herbste bescliieden. Seine Stelle nimmt an der Westküste der Winter ein. Auf 
dem Plateau jedoch schiebt sich das Maximum der Regendichtigkeit an einigen wenigen Stationen in den 
Sommer hinein: eine Folge des Niedergehens heftiger Gewittergüsse. 
Welch ungeheure Wassermengen durchschnittlich an einem winterlichen Regentage in der Serra da 
Estrella niedergehen, mag wieder ein Vergleich mit dem süd- und mitteldeutschen Berglande lehren. Hier 
bringt der Sommer die reichlichsten Niederschläge, die in dieser Jahreszeit im Mittel 6,0 mm pro Regentag 
erreichen. Demgegenüber fallen in der Serra da Estrella auf Grund unserer Tabelle 30 im Winter durch 
schnittlich 33 mm pro Niederschlagstag, es wird also die deutsche maximale Regenintensität um mehr als 
das Fünffache überschritten! Das sind Quantitäten, welche in Europa nur in sehr wenigen Gegenden Kon 
kurrenz finden und bereits den durchschnittlichen Regenfall eines Regentages der Tropen überschreiten. 
Das jahreszeitliche Minimum ist an der Nord-, Nordwest- und Westküste dem Sommer zugewiesen. 
Auf dem Tafellande fällt es dagegen auf den Winter und rückt an einzelnen Stationen sogar in den 
Frühling hinein. 
In der Jahresperiode bringt die intensivsten Regen an der Nord- und Westküste unter den Monaten 
der November, ein sekundäres Maximum fällt an der Kantabrischen Küste auf den März und April, an der 
atlantischen in den Januar und Februar. Mehrfach kennzeichnet sich auch ein drittes Maximum im Juni. 
Dieses Junimaximum übernimmt dann auf der altkastilischen Hochebene und im Ebrobecken die Rollo 
eines sekundären Maximums, das an Größe dem Hauptmaximum im Herbste nicht weit nachsteht. Auch 
das Hauptminimum der Niederschlagsdichtigkeit steht wohl in engster Beziehung zu der Jahresperiode der 
Niederschlagsmenge: wo diese den geringsten Betrag im Sommer erhält, fällt es in den Juli oder August; 
wo hingegen der Winter die regenärmste Zeit ist, in den Januar oder Februar. Das sekundäre Minimum 
erscheint dann im Februar oder März, bzw. verteilt es sich auf die Monate des Sommers oder den ersten 
Herbstmonat — entsprechend der eigenartigen Vermischung der beiden hyetographischen Regime, des 
subtropischen und kontinentalen, die in unserem Gebiete stattfindet. 
Wie bereits früher hervorgehoben wurde, bezeichnet die mittlere Niederschlagsintensität durchaus 
nicht diejenige Menge, welche an einem Tage mit Regen am wahrscheinlichsten zu erwarten ist; denn es 
ist leicht einzusehen, daß die Werte der Regendichtigkeit durch die seltenen großen Regenfälle in hervor 
ragendem Maße beeinflußt werden, indem die letzteren den Mittelwert nach ihrer Seite hinziehen. Man 
kann daher ein richtiges Bild von der Intensität der Tagesniederschläge eines Landes erst dann erhalten, 
wenn man sich einen Überblick über die tatsächlich in einem längeren Zeiträume beobachteten einzelnen 
Regenmengen verschafft. Zu diesem Zwecke hat man die Niederschlagstago nach der Regenmenge in 
Gruppen zu ordnen und die Häufigkeit zu bestimmen, mit welcher gewisse Schwellenwerte von den Nieder 
schlagsmengen eines Tages überschritten werden. 
Eine derartige Untersuchung für unser Gebiet ist auf Grund des zur Verfügung stehenden Beobachtungs 
materiales leider nicht durchführbar; denn die spanischen und portugiesischen Publikationen teilen nicht 
die Einzclwerte der Tagesbeobachtungen, sondern nur die Monatsmittel mit. Nur für Coimbra ist das 
möglich; doch können wir auch für Madrid und Lissabon, den Ausführungen Hellmanns (1. c.) folgend, 
eine Darstellung der Häufigkeit der verschiedenen Stärkestufen des Tagesniederschlages geben. Wir werden 
also diese beiden Stationen in Ermangelung anderer in den Bereich unserer Betrachtungen einbeziehen 
müssen. 
Für Madrid hat Miguel Merino 1 ) für die zehn Jahre 1860—1869 die Verteilung der diesem 
Dezennium zukommenden 849 Niederschlagstage auf die Gruppen der verschiedenen Stärkestufen des 
Tagesniederschlages ermittelt und gefunden, daß sic sich in folgender Weise gruppieren: 
') Anuario del Observatorio de Madrid XVII, 1879, p. 487.
	        
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