Cäsar Puls: Oberflächentemperaturen und Stromungsverhaltnisse etc.
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Versetzungen durch Pfeile eintrug, und die gefundenen Maximal- und Minimalgesclrwindigkeiten in Ziffern
(Seemeilen in 24 Stunden) hinzusetzte, so dass die Strompfeile ein zusammenhängendes Bild von den Strom
verhältnissen geben. Doch sind die Stromversetzungen nicht nach Jahreszeiten geordnet worden, daher finden
sich viele widersprechende Angaben an ein und derselben Stelle, so dass weder ein zuverlässiges noch auch
nur klares Bild entsteht.
Erst nach der Veröffentlichung der grundlegenden Untersuchungen von Zöppritz über die Windtheorie 1 )
1878 wurde die Kenntniss der Strömungsverhältnisse unserer Zone wesentlich gefördert durch die' schon
genannte Arbeit von P. Hoffmann: „Zur Mechanik der Meeresströmungen an der Oberfläche der Ozeane,
ein Vergleich der Theorie mit der Erfahrung. Berlin 1884.“
Mit Recht wird hier Findlay’s Darstellung angefochten, weil sie auf zu wenigem Material beruht und
dieses wenige ist noch dazu über das ganze Jahr vertheilt, so dass ein Bild für eine bestimmte Jahreszeit
daraus nicht zu erhalten ist. Hoffmann führt zuerst die Betrachtung nach Jahreszeiten
gesondert durch und bezweifelt auf Grund der Kenntniss der Windverhältnisse die Ständigkeit des Ge
genstroms in den Monaten November bis Juni. Er hatte aber zu wenig Beobachtungsmaterial zur Verfü
gung, um seine gewonnenen Resultate belegen zu können, weshalb dieselben keinen Anspruch auf Sicherheit
machen konnten.
Prof. Krümmel zeichnet wenige Jahre später in seinem Handbuch der Ozeanographie den Gegenstrom
wieder, wie Findlay, ganz durch, von den Philippinen bis in die Bucht von Panama, weniger auf neuem
Material als auf seinen Beobachtungen an künstlich erzeugten Triftströmungen und den durch diese beding
ten Kontinuitätsströmungen fussend. So hat er denn, auch noch aus anderen Gründen, den Verlauf des
Gegenstromes im Osten, sowie die Strömungen an der Küste von Mexico ganz abweichend von allen bis
herigen Darstellungen, von denen die meisten den Gegenstrom plötzlich abgeschnitten endigen Hessen,
dargestellt. 2 )
In der neuen Auflage von Bergbaus’ physikalischem Atlas 3 ) ist der Gegenstrom in keiner Jahres
zeit ganz durchgezeichnet, sondern in der Mitte ist ein mehr oder minder grosses Gebiet, wo der nördhche
und der südfiche Aequatorialstrom. ineinander übergehen. Wie in der ersten Auflage so sind auch hier
die Monsunströme an der Küste von Mittelamerika dargestellt.
So sehen wir denn noch in den neuesten und wissenschaftlich werthvollsten Arbeiten, aus Mangel an
einer Bearbeitung des mit der Zeit angesammelten Beobachtungsmaterials, auf Grund theoretischer Erwä
gungen, die Ansichten über die Stromverhältnisse der Aequatorialzone des Stillen Ozeans weit ausein
ander gehen.
Weit weniger als Darstellungen der Stromverhältnisse sind solche von der Vertheilung der Oberflächen
temperatur vorhanden. Wenn man von früheren in kleinem Maassstabe gehaltenen Karten der Oberflächen
temperatur, wie sie z. B. der grossen Stromkarte von Evans 4 ) beigegeben sind, absieht, so bleiben eigent-
Hch nur zwei Werke zu betrachten: „Meteorological Charts of the North Pacific Ocean from the Equator
to Latitude 45°North and from the American Coast to the 180. Meridian; puhhshed by Commodore R.
H. Wyman, Hydrographie Office Washington 1878“. Diese Karten enthalten für jeden Monat und für jedes
Fünfgradfeld gesondert, neben vielen anderen, besonders auf die Windverhältnisse bezüghehen Angaben,
aus den stündhehen Beobachtungen amerikanischer Kriegsschiffe berechnete Mitteltemperaturen der Meeres
oberfläche. Aber abgesehen davon, dass diese Angaben sich nur auf einen Theil unseres Gebietes be
ziehen (die ganze Zone südlich der Linie und das Gebiet westheh von 180° ist nicht mit bearbeitet), dass
ferner recht viele Fünfgradfelder, die wenig oder gar nicht besucht wurden, ohne Temperaturangaben ge-
bheben sind, dass manche der Temperaturangaben offenbar falsch sind (viele dieser falschen Angaben sind
-wohl Druckfehler), so kann doch diese Darstellung, deren Hauptwerth in der recht übersichthchen Zusam
1) Wiedemann’s Annalen der Physik 1S78. Vergl. auch Annalen der Hydrographie 1878 pag. 239 und 1879 pag. 155.
2 ) Siehe die Karte in Neumayer’s Anleitung zu Wissenschaft!. Beobachtungen auf Reisen. 2. Auflage, Bd. I; auch im
Handbuch der Ozeanographie, Bd. II.
3 ) Siehe Abth. II, Hydrographie, No. VH, Strömungen und Wärme der See im Februar und August (Tafel 22). Nicht
ganz mit dieser Darstellung zu vereinigen ist die der Tafel 21, und von beiden abweichend die der Tafel 16.
4 ) Siehe pag. 2.