Dr. Fr. Bolte: Die Methoden der Chronometer-Kontrole an Bord etc.
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2) Das Glied erster Ordnung für die Refraktion beider Gestirne muss in eine besondere Tafel gebracht
werden, denn hierdurch wird erreicht, dass man den Einfluss der Temperatur und des Luftdrucks
sofort aus den gewöhnlichen Korrektionstafeln für die mittlere Refraktion (Tafel VIII und IX im
Kaut. Jahrb., Seite 211 und 212) entnehmen kann.
B) Diejenige Korrektion, welche das Glied zweiter Ordnung der Mond-Parallaxe giebt, darf nicht für
einen festen Werth der Horizontal-Parallaxe tabulirt werden, sondern muss so gegeben werden, dass
alle möglichen Werthe derselben bequeme Berücksichtigung finden.
4) Alle übrig bleibenden Glieder der Mond-Parallaxe und der Refraktion können dann für einen mitt
leren Werth der ersteren berechnet, zusammengeschmolzen und tabulirt werden.
5) Alle Tafelwerthe müssen direkt berechnet und nicht durch Zuhülfenahme irgend welcher, nicht
absolut einwandfreier Tafeln gefunden werden.
Man erreicht dieses Ziel, indem man zunächst
nach dem Prinzip der indirekten Methoden die Aus
drücke für die einzelnen Korrektionen von © S und
((M ableitet, in denselben die Glieder erster Ordnung
der Mond-Parallaxe und der Refraktion nach der Art
der empirischen Methoden heraustrennt und die übrig-
bleibenden Glieder durch geeignete Kombinationen zu
sammenfasst.
§ 7. Ableitung der Formel. In der nebenstehen
den Figur mögen wieder Z({ und Z© die scheinbaren,
sowie ZM und ZS die wahren Zenithdistanzen des
Mondes und des Distanzgestirns bedeuten, sodass © (f
die scheinbare und SM die wahre Distanz ist. Be
zeichnet man die Horizontal-Parallaxe, die Refraktion
und die scheinbare Höhe des Mondes der Reihe nach
mit P, R und PT, die entsprechenden Grössen des
andern Gestirns mit p, r und h, so ist
([M = P cos H—R und
©S = r — p .cos h.
Verbindet man M mit © durch einen grössten Kreisbogen, verlängert denselben über © hinaus und
trägt MS - ~ Ms darauf ab, so ist
MS = Ms = MQ + © s (1)
Trägt man dann QM — Qm von © aus auf ©([ ab, so ist
QM = Qm= Qd— dm (2)
Setzt man dies in Gleichung (1) ein, so ist
MS — Qd— <tm+Q8 (3)
Fällt man nun MF X © ([ und Sf L Ms, so ist
([ m = ({F—Fm und
©s = Qf+fs.
Bezeichnet man die scheinbare Distanz © (? mit D, die wahre SM mit D', so geht Gleichung (3) da
durch über in
D' = D—([F+Fm + Qf+fs (4)
In dieser Gleichung sollen die Ausdrücke für die 4 Korrektionen der scheinbaren Distanz ermittelt werden.
Archiv 1894. 1.
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