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Full text: 15, 1892

Dr. Paul Schlee: Niederschlag, Gewitter und Bewölkung etc. 
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der Isonephen ist daher hypothetisch. Teisserenc de Bort lässt nun die Bewölkung vom wolkenarmen 
Argentinien und Patagonien nach Osten hin viel zu wenig zunehmen. Daher geben seine Karten eine viel 
zu geringe Bewölkung für die höheren Breiten des südwestatlantischen Ozeans, der unrichtiger Weise viel 
heiterer als der Nordatlantische erscheint. Die Isonephe 6 z. B. liegt auf der Segelroute in jedem Monat, 
den Dezember ausgenommen, der mit Unrecht sich als der wolkenreichste Monat zeigt, viel zu weit südlich, 
meistens um 10—15 Breitengrade. Die starke Zunahme der Bewölkung von Südargentinien nach Osten 
und Südosten zeigen in der vorstehenden Tabelle die Werthe für Bahia Bianca, das patagonische Küstenmeer, 
dann die Werthe für die weiter südöstlich liegenden Meeresgegenden im Norden und Westen der Falklands 
inseln, für Port Stanley und schliesslich für den südlichsten Abschnitt der Segelroute von 45°—55° s. B. 
Während Bahia Bianca eine mittlere Bewölkung von 3.8 hat, finden wir auf der Segelroute unter derselben 
Breite (37V2—40° s. B.) als Bewölkungsmittel 6.4. 
Was die jährliche Periode betrifit, so fällt zwischen 0° und 5° s. B. das Maximum der Bewölkung auf 
den Herbst in Uebereinstimmung mit der Regenperiode, zwischen 5° und 15° s. B. auf den Winter. Höchst 
merkwürdig aber ist, dass südlich vom 15. Parallelkreis der Frühling die wolkenreichste Jahreszeit ist, ein, 
Verhältniss, das sich auch weiter östlich auf Ascension und dem umgebenden Meerestheil findet. Man 
ersieht aus der Tabelle der monatlichen Bewölkungsmittel auf der Segelroute deutlich, dass zwischen 15° und 
40° s. B. Oktober und November am wolkenreichsten sind, worauf im Dezember, also im ersten Sommer 
monat, ein bedeutendes Auf klaren des Himmels folgt. Auf der Dampferroute zeigen sich neben dem Früh 
lingsmaximum auch die Perioden des nahen Festlandes ausgeprägt. Südlich der Winterregen von Pernambuco 
finden wir wie zu Rio de Janeiro *) und Säo Paulo * 2 ) das Minimum im Winter, während der Sommer nächst 
dem Frühling am wolkenreichsten ist. Südlich vom 25. Parallelkreis zeigt sich neben dem Frühlingsmaximum 
noch ein zweites im Juni, das sich auch zu San Jorge in Uruguay und an allen Stationen des östlichen 
Argentiniens findet, von Villa Formosa unter dem 26. bis Bahia Bianca unter dem 39. Parallel. Südlich vom 
40. Parallelkreis ist die Periode verwickelter. Die Werthe für das patagonische Küstenmeer, die Falklands 
inseln und den südlichsten Theil der Segelroute stimmen aber ziemlich gut überein, sodass sich eine 
gemeinsame Periode bestimmen lässt, die drei Maxima und drei Minima enthält und in der vorstehenden 
Tabelle zu erkennen ist. 
b. Die Häufigkeit der Bewölkungsgrade. 
Wenn auch das arithmetische Mittel zur Charakterisirung der Bewölkung nicht ausreicht, so giebt es 
doch zunächst das übersichtlichste und einfachste Bild und musste hier, wo es sich um ein bis dahin in 
dieser Hinsicht ganz unbekanntes Gebiet handelt, vor allem berücksichtigt werden. Es darf aber nicht un 
beachtet gelassen werden, dass unter demselben Bewölkungsmittel ganz verschiedene Bewölkungsverhältuisse 
verborgen sein können. 3 ) So wurde z. B. auf Réunion während der beiden Jahre 1884 und 1885 unter 1461 
Beobachtungen kein einziges Mal ganz bedeckter Himmel und kein einziges Mal wolkenloser verzeichnet, 4 ) 
während wieder in anderen Klimaten, wie z. B. in Mitteleuropa im Winter gebrochene Bewölkung sehr selten 
ist. Bei einer Vergleichung ausführlicher Beobachtungstabellen erkennt man bald, dass gebrochene Bè- 
wölkung besonders den niederen Breiten, dem Sommer und dem Tage, und auf dem Lande wieder besonders 
dem mit Haufenwolken bedeckten Nachmittagshimmel zukommt, während die Extreme, wolkenloser und 
ganz bedeckter Himmel, mehr den höheren Breiten, dem Winter und der Nacht eigen sind. 5 ) Ob gebrochene 
Bewölkung bei gleichem Bewölkungsmittel im allgemeinen häufiger in maritimen oder in festländischen 
Klimaten beobachtet wird, würde wohl noch einer näheren Untersuchung bedürfen. 
Im südwestatlantischen Ozean findet sich überall gebrochene Bewölkung viel häufiger verzeichnet als 
die Extreme, wenn auch im südlichsten Theile der Segelroute ganz bedeckter Himmel eine grosse Prozent 
zahl ausmacht. Um die Verhältnisse im Winterregengebiet von Pernambuco zu veranschaulichen, folgen 
hier nach den Beobachtungen auf der Dampferroute von 5°—15° s. B. die Prozentzahlen der fünf Bewölkungs 
stufen: 0, 1—3, 4—6, 7—9 und 10 und zwar getrennt für die beiden Termine 8 h a. m. und 8 h p. m. 
') Teisserenc de Bort: „Etude sur la distribution etc.“ 
2 ) Woeikof: „Klimate der Erde.“ Jena 1887, pag. S81, und: Meteorol. Zeitschr. 1891, pag. 146, 1892, pag. 109. 
3 ) Yergl. H. Meyer: „Anleitung zur Bearbeitung meteorol. Beobachtungen für die Klimatologie.“ Berlin 1891, pag. 109. 
4 ) Annales du Bur. Centr. Met. de France, 1884 und 1885, IV. 
3 ) Vergl. auch die Tabelle unten Seite 20. 
Archiv 1832 . 3. 
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