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Sonnengluth ermattet auf dem Gipfel anlangt, wird hier von Regengüssen empfangen, die den Nordost-
Abhang des Berges in einen Hain von Baumfarren umgewandelt haben.
Honolulu, die Hauptstadt der Inselgruppe, obgleich ebenfalls an der Südküste gelegen, erfreut sich
sehr günstiger, meteorologischer Verhältnisse. Ein tiefer Thaleinschnitt gestattet den östlichen Winden
zur Stadt zu gelangen, bevor sie sich ihres Wassergehaltes entledigten. Es regnet daher nicht so viel, um
lästig zu fallen, und nicht so wenig, um die Vegetation verdorren zu lassen. In den Monaten Juli und
August 1884 fanden innerhalb 86 Tagen an 17 Tagen Niederschläge statt; das Temperatur-Maximum hielt
sich zwischen 29° und 34°, das Minimum zwischen 19.7° und 23.3°. Wasser in geschwärzter Flasche, der
Sonne ausgesetzt, erhitzte sich auf 57°. Trotz dieser hohen Temperatur, die im Winter kaum anders ist,
wie im Sommer, befindet sich der Europäer in Honolulu sehr wohl. Fast täglich unternahm ich in grösster
Sonnengluth anstrengende Touren und verspürte niemals übele Folgen. Während beinahe um dieselbe Zeit
in New-York innerhalb weniger Tage 50 Menschenleben am Sonnenstich zu Grunde gingen, ist diese Krank
heit auf den Hawaii-Inseln unbekannt. Grosse Hitze allein gefährdet das Leben des Menschen nicht; es
spielt die Luft - Feuchtigkeit eine wesentliche Rolle. Ebenso unerträglich, wie heisse, dunstgesättigte, ist
heisse, sehr trockene Atmosphäre. In Arizona — Nord-Amerika -— wo im September 1884 nachmittags
im Schatten bei 34° die Luft nur 6% relativer Feuchtigkeit enthielt, -verschmachteten Thiere und Menschen
buchstäblich; in der heissen Wüste am Suez-Kanal waren doch noch immer 2O°/ 0 vorhanden gewesen.
Honolulu hält die goldene Mittelstrasse ein: in den Mittagsstunden schwankte die Feuchtigkeit meist
zwischen 44 und 55%, um sich in den Nachtstunden auf 70%, nach Regenschauern bis über 80% zu erheben.
Reichliche Luft-Feuchtigkeit ist neben sehr kräftiger Ventilation wohl der Grund des gesunden
Klimas von Ozeanien. Daher liegen auf den deutschen Besitzungen in der Südsee die Verhältnisse so
wesentlich viel günstiger, wie in Afrika. Beiläufig sei bemerkt, dass ich während meiner ganzen Reise die
höchsten Temperaturen nicht innerhalb der Tropenzone antraf, sondern ausserhalb derselben, in Tucson
in Arizona, wo noch Ende September das Thermometer nachmittags im Schatten auf 36° stieg.
Merklich verschieden ist der Gang der Temperatur auf den Hawaii-Inseln von demjenigen auf der
offenen Südsee. Die nächtliche Abkühlung ist grösser, und das in die Nachmittagsstunden fallende, tägliche
Maximum höher als auf offenem Meere. Die tägliche Amplitude betrug im August bis 12.8°. Auffallend
selten sind Gewitter; nur wenige Male sah ich schwaches Wetterleuchten.
In Honolulu war die tägliche Schwankung des Barometers gering; sie überstieg nie 2 mm, und er
reichte recht häufig nicht 1 mm. Dasselbe beobachtete ich auf der Fahrt von den Hawaii-Inseln nach San
Francisco. Auf dem Indischen Ozean hatte die tägliche Amplitude oft 3 mm und mehr betragen.
Wenden wir uns der Untersuchung der Frage zu, ob thatsächlicli, wie Lenz und Schrenk behaupten,
das Wärme-Maximum auf offenem Meere, innerhalb der Tropenzone, schon vormittags um 11 % bis
11% Uhr eintritt. Ich fand diese Behauptung nicht bestätigt. Es handelt sich in den in Frage kommen
den Gebieten nur um minimale, tägliche Schwankungen. Auf dem tropischen, Indischen Ozean betrug die
Amplitude mitunter weniger als 1°. Man ist daher gezwungen, Instrumente zu benutzen, die auf Zehntel-
Grade eingetheilt sind. Es gelang mir, durch eine grössere Beobachtungsreihe zur Evidenz festzustellen,
dass die höchste Temperatur genau mit dem höchsten Sonnenstände zusammenfällt. Allerdings wird recht
häufig dies Resultat durch ungünstige Nebenumstände scheinbar in Frage gestellt.
Ganz abgesehen von den Fällen, wo das Maximum sich stundenlang in gleicher Höhe hält, und von
den schnell vorübergehenden Erniedrigungen, welche Regenböen mit sich bringen. Kommt eine solche Böe
kurz vor 12 Uhr mittags, so kann das Tages-Maximum allerdings in der Zeit liegen, die Lenz und Schrenk
angeben. Selbst ohne Regenböen hat man häufig genug Gelegenheit zu beobachten, wie gerade in den
Mittagsstunden die Quecksilbersäule schwankt. Folgendes Beispiel möge zur Erläuterung dienen. Am
9. April 1884 zeigte das Thermometer im Rothen Meere:
um 11 Uhr vorm. 27.2°,
„ 1172 „ „ 27.4°,
wenige Minuten vor 12 Uhr 27.6°.
Unter meinen Augen sank es nun plötzlich auf 27.2°, um sich alsbald wieder auf 27.6° zu erheben.
Wolken, die vor die Sonne treten, und lokale Luftströmungen, wie sie bei sonst spiegelglatter See unter
den Tropen häufig beobachtet werden, sind Ursache dieser Erscheinung, die, wenn sie sich wiederholt,
leicht zu Irrthümern über den Eintritt des Maximums Veranlassung geben kann.