accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 6, 1883

4

Für  die  oben  erwähnte  Eigenschaft  magnetischer  Körper  gilt  nun  das  allgemein  gültige  magnetische
Cresetz  „Gleichnamige  magnetische  Kräfte  oder  gleichnamige  Pole  stossen  sich  ab,  ungleichnamige  Pole
ziehen  sich  an.“
Erstes  Experiment.  Der  uns  bekannteste  Magnet  ist  die  Kompassnadel.  Befindet  sich  eine  Kompassnadel  frei  auf
der  Pinne  aufgestellt,  wie  die  des  Modells,  so  dass  sie  einer  etwaigen  Anziehung  oder  einem  Abstossen  ihrer  Pole  durch
Drehung  Folge  leisten  kann,  und  wir  nähern  einem  ihrer  Pole  den  gleichnamigen  Pol  einer  anderen  Kompassrose  (Magnetnadel), ­
  so  sehen  wir,  wie  der  erster©  Pol  abgestossen  wird,  während  der  ungleichnamige  Pol,  z.  B.  der  Südpol  der  in  der
Hand  gehaltenen  Bose,  den  Nordpol  der  Kompassrose  des  Modells  anzieht.
Ausser  der  oben  erwähnten  Eigenschaft  des  Anziehens  oder  Abstossens  besitzen  magnetische  Körper
auch  die  Eigenschaft,  in  Eisen  (in  geringerem  Grade  auch  in  Nickel)  Magnetismus  zu  erregen.
An  und  für  sich  üben  die,  die  Materie  des  Eisens  konstituirenden  Moleküle  auf  eine  Magnetnadel
keinen  Einfluss  (Anziehen  oder  Ablenken)  aus.  Durch  magnetische  Erregung  (Induktion)  werden  aber  die
Moleküle  des  Eisens  in  der  Nähe  der  Wirkungssphäre  eines  Magnets  in  eine  mehr  oder  minder  ausgesprochene ­
  magnetische  Lage  gebracht,  d.  h.  es  erlangt  das  Eisen  mehr  oder  minder  magnetische  Eigenschaften. ­
  Diese  magnetische  Erregung  oder  Induktion  geht  stets  nach  dem  Gesetze  vor  sich,  dass  ein  Pol
eines  Magnets  in  dem  ihm  zugewandten  Ende  einer  Eisenmasse  den  entgegengesetzten  Pol  erregt  (induzirt).
Alles  Eisen  wirkt  daher,  wenn  in  genügende  Nähe  gebracht,,  auf  beide  Enden  der  Magnetnadel  anziehend.
Zweites  Experiment.  Bringen  wir  eine  der  dem  Modell  beigegebenen  weichen  Eisenstangen  (dieselbe  ist  horizontal
in  Ost-West-Richtung  zu  halten!)  in  genügende  Nähe  des  Kompasses  und  z.  B.  quer  ab  von  seinem  Nordende,  so  wird
das  Nordende  der  Kompassnadel  nach  obigen  Gesetzen  in  dem  ihm  zugewandten  Ende  der  Eisenstange  einen  Südpol
induziren  und  dieser  Südpol  das  Nordende  der  Kompassnadel  anzielien;  bringt  man  aber  dasselbe  Ende  der  Eisenstange
in  die  Nähe  des  Südpols  der  Kompassnadel,  so  wird  diese  darin  einen  Nordpol  induziren,  welcher  das  Südende  der
Kompassnadel  anzieht.  In  erheblicherer  Entfernung  vom  Kompass  hört  diese  Erscheinung  auf,  sich  bemerklich  zu
machen  (mit  Rücksicht  auf  das  nachfolgende  Experiment  ist  diese  Entfernung  zu  konstatiren!)
Da  nun  unsere  Erde  selbst  ein  Magnet  ist,  (oh  vermöge  ihr  eigentliümlichen  Magnetismus  oder  durch
Erregung  Seitens  eines  anderen  Himmelskörpers,  bleibt  sich  gleich),  dessen  nördlicher  Pol  in  dem  nordamerikanischen ­
  Insel-Archipel  und  dessen  südlicher  Pol  in  den  Südpolar-Ländern  südlich  vom  australischen
Eestlande  liegt,  so  muss  in  jeder  auf  der  Erde  befindlichen  Eisenmasse  fortwährend  durch  die  Erde  selbst
Magnetismus  erregt  werden.
Drittes  Experiment.  Sobald  man  das  eine  Ende  einer  Eisenstange  nach  dem,  dem  Versuchsorte  zunächst  liegenden,
also  für  uns  den  nördlichen  magnetischen  Pol  der  Erde  richtet,  so  muss  darin  der,  dem  dort  in  der  Erde  befindlichen
Magnetismus  entgegengesetzte  Pol  entstehen.  Bestimmen  wir  zunächst  von  dem  Versuchsorte  aus  die  Richtung  nach
dem  nördlichen  magnetischen  Pole  der  Erde,  so  wissen  wir,  dass  dieselbe  etwas  westlich  von  dem  astronomischen  Nord
liegt,  weil  die  Deklination,  Variation  des  Kompasses,  Abweichung  in  unsern  Gegenden  westlich  ist;  eine  Karte  der  Isogonen, ­
  der  Linien  gleicher  Abweichnng,  giebt  uns  den  genauen  ziffermässigen  Betrag  an.  Man  darf  aber  die  Stange,
wenn  sie  dem  Pole  zugewandt  sein  soll,  nicht  etwa  horizontal  halten;  alsdann  würde  sie  in  ihrer  Vei’längerung  eine
Tangente  zur  Erdoberfläche  bilden.  Wäre  man  am  Pole  selbst,  so  würde  man  die  Stange  vertikal  zu  halten  haben;
würde  man  sich  um  1  Grad  vom  Pol  entfernen,  so  hätte  man  die  Stange,  unter  der  Voraussetzung,  dass  die  Eintheilung
des.  Systems  des  Magnetismus  der  Erde  mit  der  geodätischen  Eintheilung  gleichwerthig  sein  würde,  die  Stange  um  1  Grad
gegen  die  Vertikale  zu  neigen.  *)  In  unserer  Gegend  beträgt  die  Neigung,  die  man  der  Stange  gegen  die  Vertikale  zu
geben  hat,  ungefähr  22°.  Giebt  man  also  der  Stange  die  hieraus  folgende  Richtung-  und  nähert  sie  dann  mit  ihrem
unteren  Ende  dem  Kompass,  so  erkennt  man,  dass  in  der  gleichen  Entfernung,  in  welcher  bei  dem  vorigen  Experimente
die  Magnetnadel  nicht  mehr  angezogen  wurde,  das  Nordende  der  Nadel  abgestossen  wird.  Es  muss  also  jetzt  in  dem
unteren  Ende  der  Stange  ein  magnetischer  Nordpol  induzirt  sein  und  demgemäss  muss  im  nördlichen  Pole  der
Erde,  zufolge  der  vorhergegangenen  Erörterungen,  Südpolarität  vorhanden  sein.  Zu  ganz  dem
gleichen  Resultat  gelangen  wir,  wenn  wir  die  Stange  so  weit  senken,  dass  ihr  oberes  Ende  dem  Kompasse  zunächst
liegt.  (Man  wähle  zum  Gelingen  des  Experimentes  die  grösste  der  Eisenstangen,  damit  man  weit  genug  vom  Kompass
des  Modells  entfernt  bleiben  kann,  um  nicht  durch  das  Deck  desselben  behindert  zu  werden!)  Wir  sehen,  dass  in
diesem  oberen  Ende,  welches  von  dem  nördlichen  Pole  der  Erde  abgewendet  ist,  Süd-Magnetismus  vorhanden  ist,  da
das  Nordende  der  Kompassnadel  davon  angezogen  wird.  Die  entgegengesetzten  Erscheinungen  werden  beobachtet,  wenn
man  das  Experiment  in  der  Nähe  des  Südendes  der  Kompassnadel  wiederholt.  Nicht  wie  bei  dem  vorigen  Experimente,
wo  wir  es  mit  Magnetismus  zu  thun  hatten,  welcher  von  der  Magnetnadel  des  Kompasses  erregt  wurde,  haben  wir  es
hier  mit,  von  der  Erde  induzirtem  Magnetismus  zu  thun.  Wir  erkennen  auch,  dass  dieser,  von  der  Erde  induzirte
Magnetismus  aus  dem  Eisen  wieder  verschwindet,  wenn  man  die  Stange  horizontal  in  Ost-West-Richtung  hält,  in  welchem
Falle  sie  der  Richtung  der  magnetischen  Kraft  zu  wenig  Ausdehnung,  ihrem  Querdurchschnitte  nach,  darbietet.
*)  Nach  den  Beobachtungen  des  Entdeckers  des  magnetischen  Nordpols  brachte  in  der  Nähe  desselben  eine  Veränderung ­
  des  Ortes  von  2  Seemeilen  eine  Veränderung  in  dem  Werthe  der  Inklination  von  1  Minute  hervor.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.