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Full text : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 2 (1879)

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Tage  tlieilweise  durch  schneller  bewegte  aus  der  Höhe  ersetzt,  so  muss,  wenn  der  Gradient  unverändert
bleiben  soll,  gleichzeitig  eine  Ablenkung  des  Windes  nach  rechts,  mit  Verringerung  der  tangentiellen  Komponente ­
  y t  eintreten.  Die  vorstehende  Betrachtung  erlaubt  sogar,  den  Grenzwerth  des  Anwachsens  der
Windgeschwindigkeit  zu  bestimmen,  denn  letztere  ist  bei  konstantem  Gradienten  nach  Gl.  1)  der  normalen
Komponente  desselben  proportional;  die  Geschwindigkeit  des  Unterwindes  könnte  demnach  durch  vertikalen
Luftaustausch,  ohne  Aenderung  des  Gradienten  nur  im  Verhältniss  sina 0 \  1  anwachsen,  wenn  « 0  den
ursprünglichen  Ablenkungswinkel  bezeichnet.  Bei  östlichen  Winden  beträgt  nach  Herrn  Kapt.  Hoffmeyer
der  für  8 h  Morgens  bestimmte  Ablenkungswinkel  etwa  60°;  zur  Zeit  des  Maximums  der  Windstärke  könnte
letztere  also  nur  im  Verhältniss  1:1.15  grösser  sein,  als  am  Morgen.  Die  Erfahrung  ergiebt  nach  dem
Beispiele,  Tab.  XVI.,  zwischen  8“  und  3—4P  das  Verhältniss  1:1.17,  zwischen  8“  und  2 P  das  Verhältniss
1.14.  Diese  ziemlich  auffallende  Uebereinstimmung  mag  aber  doch  wohl  nur  eine  zufällige  sein,  denn  die
Konsequenz  der  Zunahme  des  Ablenkungswinkels  bis  zu  90°  findet  sich,  wie  wir  bald  sehen  werden,  an
dem  vorliegenden  Beispiel  kaum  annäherungsweise  bestätigt.
Um  zu  erkennen,  wie  mit  -wachsendem  v  die  Abnahme  der  tangentiellen  Komponente  y t  von  Statten
gehen  könne,  müssen  wir  letztere  ihren  einzelnen  Theilen  nach  darstellen.  In  der  Nacht,  wenn  die
schneller  bewegten  oberen  Schichten  verhältnissmässig  ruhig  über  die  dem  Erdboden  anliegenden,  durch
viele  Reibungswiderstände  behinderten  Schichten  hinweggleiten,  ist  gleichwohl  eine  gegenseitige  Beeinflussung
dieser  Luftströme  vorauszusetzen,  welche  vorzugsweise  in  der  gewöhnlichen  Reibung  der  Gase  (dem  molekularen ­
  Luftaustausch  zwischen  den,  einander  unendlich  nahen  Schichten)  bestehen  mag.  *)  Es  ist  klar,
dass  alsdann  die  tangentielle  Gradientkomponente  der  unteren  Schicht  nicht  so  gross  zu  sein  braucht,  als
wenn  die  schneller  fliessende  obere  Schicht  nicht  vorhanden  wäre.  Von  dem  Werthe  b-\-Jtv  dieser  Komponente ­
  (b  Beschleunigung,  Je  Reibungskoeffizient)  wie  er  ohne  jenen  Einfluss  zu  schreiben  wäre,  ist  daher
Je'(V—v)  zu  subtrahiren  (V  bezeichnet  die  Geschwindigkeit  der  oberen  Schicht,  Je  den  Reibungskoeffizienten
dieser  gegenseitigen  Beeinflussung).  Man  hat  also  als  allgemeinsten,  wenn  auch  rohen  Ausdruck  der
Tangentialkomponente:  4 )  ^  _  b+kv-Jc'(V—v)  =  (k+Je')v+b—Je'  V.
Da  V  wohl  nahezu  unverändert  bleibt,  oder  aber  etwas  abnimmt  (was  eine  Vergrösserung  des  ganzen
Ausdruckes  zur  Folge  hat),  so  kann  eine  Verringerung  der  ganzen  Komponente  mit  wachsendem  v  nur
durch  eine  beträchtliche  Abnahme  der  Beschleunigung,  resp.  Zunahme  der  Verzögerung  veranlasst  werden.
Und  es  ist  ja  auch  klar,  dass  die  herabsteigenden  Luftmassen  unter  dem  Einflüsse  der  grösseren  Reibung
in  den  Zustand  verzögerter  horizontaler  Bewegung  gerathen  müssen.  Man  könnte  allerdings  den  Einwand
erheben,  dass  ja  andererseits  die  in  der  unteren  Schicht  zurückgebliebenen  Luftmassen  in  Folge  anzunehmender ­
  gleichmässiger  Vertheilung  der  Geschwindigkeit,  in  ihrer  Bewegung  beschleunigt  werden.  In
Summa  wird  aber  die  Bewegung  wegen  des  grossen  Uebermaasses  an  Geschwindigkeit,  welches  die  herabsteigenden ­
  Massen  ursprünglich  besitzen,  in  der  Regel  eine  verzögerte  sein,  und  um  so  mehr,  je  stärker
die  tägliche  Periode  ausgeprägt  ist;  denn  die  Bewegung  ist,  wenn  die  ganze  Masse  der  unteren  Schicht
*  durch  Luft  aus  der  Höhe  ersetzt  wird,  jedenfalls  eine  verzögerte.
Wie  oben  schon  angedeutet,  versuchte  ich  festzustellen,  ob  in  jenen  20  April-Tagen,  auf  welche  die
Tabellen  XVI  und  XIX  sich  beziehen,  von  8 h  Morgens  bis  2 h  Nachmittags  eine  Drehung  der  Windrichtung
im  Sinne  E->S  eingetreten  sei.
Tabelle  XXII.
Häufigkeit  der  Winde  bei  vorherrschendem  Ostwind  im  April  1877  und  78  um  8 h  Morgens
nnd  2 h  Nachmittags.

N

NE

E

SE

S

SW

w

NW

Summe

Berechn.
Windrichtg.

Küste  j

8 a

20.5

42.5

44.0

8.5

0

0

0.5

2.0

118

N  59°  32'  E

2 P

13.5

46.0

42.0

9.5

0

0

1.0

5.0

117

N  60°  49'  E

Binnenland  |

8 «

17.0

16.5

29.5

10.0

2.0

0

2.0

3.0

80

N  63°  47'  E

2  P

13.5

19.0

25.0

12.0

4.5

0.5

1.0

5.5

81

N  67°  15'  E

Küste  und

8“

37.5

59.0

73.5

18.5

2.0

0

2.5

5.0

198

N  61°  2'  E

Binnenland

2 p

27.0

65.0

67.0

21.5

4.5

'  0.5

ro
o

10.5

198

N  63°  0'  E

*)  Man.  vergl.  hierüber  meinen  Artikel:  Zur  Theorie  der  oberen  Luftströmungen,  XV.  Bd.  der  österr.  Zeitschr.,  pag.  17.

Archiv  1879.  2.

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