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Full text : Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 1 (1878)

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Betrag  regulirt  werden  kann.  Zu  diesem  Zweck  dreht  man  das  Hygrometer  um,  hängt  das  Gewichtchen
yorn  an  die  Feder  und  spannt  dieselbe  mit  einem  Schraubenzieher  so  lange  an,  oder  lässt  sie  so  lange
nach,  bis  sie  gerade  das  halbe  Gramm  trägt.  Das  ganze  Hygrometer  ist  in  ein  Blechkästchen  gestellt,
welches  oben  und  hinten  durch  einen  Blechschieber,  vorn  durch  eine  Glasscheibe  geschlossen  werden
kann.  Zur  Prüfung  der  Richtigkeit  der  Angabe  des  Zeigers  bei  100%  wird  die  auf  das  Rähmchen  aufgezogene ­
  Musselinplatte  mit  destillirtem  Wasser  oder  frisch  gefallenem  Regenwasser  befeuchtet  und  eingeschoben. ­
  Nachdem  nun  auch  das  Kästchen  vorn  mit  der  Glasscheibe,  hinten  und  oben  mit  dem  Blechschieber
geschlossen  wurde,  füllt  sich  der  Raum  im  Inneren  desselben  in  wenigen  Minuten  gänzlich  mit  Wasserdampf.
Man  wird  um  so  mehr  die  vollständige  Sättigung  annehmen  dürfen,  als  die  verdampfende  Oberfläche  verhältnissmässig
  sehr  gross  ist  und  das  Haar  seiner  ganzen  Länge  nach  in  unmittelbarer  Nähe  der  feuchten
Musselinplatte  sich  befindet.  Für  den  praktischen  Gebrauch  kann  man  den  Raum,  in  welchem  sich  das  Haar
befindet,  als  gesättigt  betrachten,  wenn  der  Zeiger  nicht  mehr  weiter  geht  und  seit  etwa  zwei  Minuten  konstant
auf  einer  Stelle  bleibt.  Bei  diesem  Standpunkte  des  Zeigers  sollte  der  100%-Strich  der  Theilung  stehen.
36.  Diese  Uebereinstimmung  wird  in  Wirklichkeit  nicht  immer  der  Fall  sein,  da  bei  allen  Haarhygrometern ­
  im  Laufe  der  Zeit  Veränderungen  vor  sich  gehen.  Man  hat  zur  Justirung  dann  nur  einen
Uhrschlüssel  durch  das  oben  in  der  Glasscheibe  angebrachte  Loch  auf  die  Axe  aufzusetzen,  an  welcher  das
obere  Ende  des  Haares  befestigt  ist  und  durch  Drehen  dieser  Axe  den  Zeiger  auf  100%  einzustellen.  Um
die  Reibung  der  Zeigeraxe  zu  überwinden,  muss  man  bei  dieser  Manipulation  leicht  auf  den  Deckel  des  Blechkästchens ­
  klopfen  und  Zusehen,  ob  dabei  der  Zeiger  auf  100  stehen  bleibt.  Wenn  dies  der  Fall,  so  ist
das  Instrument  justirt  und  kann  wenige  Minuten,  nachdem  Blechschieber,  Musselinplatte  und  Glasscheibe
fortgenommen  und  das  etwa  abgeträufelte  Wasser  entfernt  worden  ist,
schon  zu  Beobachtungen  des  Feuchtigkeitsgehalts  der  Luft  verwendet
werden.  Diese  Einrichtung  des  Haarhygrometers  hat  den^  Vortheil,
dass  man  sich  jeden  Augenblick  überzeugen  kann,  ob  das  Haar^nocli
unverletzt  ist  und  richtig  funktionirt,  sodann  dass  man  jederzeit
einen  Endpunkt  der  Skala  justiren  kann.  Die  Richtigkeit  der  Skala
selbst  wird  durch  Vergleich  mit  dem  Regnault’schen  Hygrometeter
geprüft  und  in  angemessenen  Zwischenzeiten  kontrolirt.
Die  Justirung  des  100%-Striclies  der  Skala,  welche  durchschnittlich ­
  alle  8  bis  10  Tage  geschehen  muss,  häufiger,  wenn  grosse  Trockenheit, ­
  seltener,  wenn  vorwiegend  nasses  Wetter  herrscht,  ist  auf  den
Stationen  der  Seewarte  Sache  des  Beobachters,  die  Prüfung  der  Skala
und  die  Justirung  der  Feder  im  Allgemeinen  Sache  des  Stations-Inspektors.

V.  Windfahne  mit  Stärketafel.
37.  Die  meisten  Beobachtungsstationen  der  Seewarte  werden
ausser  dem  Anemometer  auch  mit  einer  Windfahne  ausgerüstet,  welche
zur  annähernden  Bestimmung  der  Windstärke  mit  einer  an  horizontaler ­
  Axe  hängenden  Platte  versehen  ist,  die  durch  den  Wind  gehoben
wird.  Eine  Zeichnung  derselben  giebt  nebenstehende  Figur  11.  Die
Windfahne  a  sitzt  an  einem  hohlen  Rohr  b,  an  welches  sie  mittelst
einer  in  eine  Kugel  (Gegengewicht)  auslaufenden  Eisenstange  c  in
solcher  Lage  angeklemmt  wird,  dass  die  Mittelebene  der  Fahne  und
der  Stab  c  senkrecht  zur  Fläche  der  an  derselben  Hülse  b  befestigten
Stärkentafel  e  steht;  ist  dies  der  Fall,  so  richtet  die  Fahne,  indem  sie
die  Hülse  b  um  die  eiserne  Axe  d  dreht,  die  Stärkentafel  stets  senkrecht ­
  gegen  den  Wind.  Neben  der  Tafel  ist  ein  Kreisbogen  f  angebracht; ­
  die  7  Zinken  oder  Stifte,  welche  er  trägt,  stehen  in  solchen
Abständen  von  einander,  dass  die  Beobachter  aus  der  Stellung  der
Tafel  gegen  diese  Stifte  direkt  die  augenblickliche  Geschwindigkeit
des  Windes  in  Metern  pro  Sekunde  angenähert  ersehen  können  und
            
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