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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

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sichtbar ist. Auf der SO- und Westseite dieser Insel sind 4 Leuchtthürme und 
bei nebeligem Wetter wird daselbst alle Stunde ein Kanonenschuss abgefeuert. Bei 
dem einen Leuchtthurm befindet sich auch eine Dampfnebelpfeife. . Auf der 
Insel befinden sich ferner noch mehrere Proviant-Depots für Schiffbrüchige. 
Darauf bekommt man an Backbord die hohe, gebirgige Küste von Canada mit 
den Leuchtthürmen auf dem Cap Rozier, dem Cap Magdalen und weiter west- 
lich den auf Cap Chatte in Sicht. Von Cap Chatte an, welches sich bei Tage 
sehr gut durch seine weissliche Farbe erkennen lässt, beginnt der St. Lorenz- 
Strom. An dessen Nordseite, bei dem Leuchtthurm von Point de Monts, ist 
der auslaufende Strom stets schwächer als an der Südküste, und zuweilen trifft 
man hier sogar etwas einsetzenden Fluthstrom. Aus diesem Grunde muss man 
sich auch stets unter dieser Küste halten und zwar bis zu der Insel Biquette, 
woselbst man einen Lootsen antrifft, ohne den kein Schiff aufsegeln darf, und 
dem man sich stets sicher anvertrauen kann, 
Eine Barre ist hier nicht vorhanden, aber viele Untiefen, von denen 
einige bei Niedrigwasser sogar trocken fallen, ziehen sich bis zum Hafen von 
Quebek hin. Obgleich kein Seegang steht, so ist das Wasser sehr unruhig, 
besonders bei der Fluth; der ausgehende Strom läuft im Allgemeinen sehr 
stark und besonders stark im Frühjahr. . 
Die Wassertemperatur war bei Annäherung an die Küste wieder höher 
als auf der. Neufundland Bank, auch hatte das Wasser wieder die tiefblaue 
Farbe angenommen, Im St. Lorenz-Busen dagegen wurde das Wasser dunkel- 
grün, und ging die Farbe dann allmälig in gelb über. 
Von der grünen Insel (Green Island) an kann ein Schiff im St. Lorenz 
Strom allenthalben einen Ankerplatz finden, nur ober- und unterhalb von Que- 
bek sind dieselben schlecht, weil daselbst der Grund nicht haltbar ist. Letzte- 
res hat wohl seinen Grund darin, dass die Schiffe dort ihren Ballast über Bord 
werfen dürfen. Der beste Ankerplatz ist bei östlichem Winde in den soge- 
nannten Brandy Pots. 
Bei Quebek sind im Strom 27 bis 37 Met. Wasser und kann man direct 
bis an den Löschplatz heransegeln. 
Hafen, Quebek liegt in 46° 49‘ Nord-Br. und 71° 16‘ West-Lg., unge- 
fähr 570 Seem. den Strom aufwärts und ist der grösste Exporthafen für Bau- 
holz in Canada. An den Kai’s findet man 6 bis 7.3 Met. Tiefe bei Springzeit 
Niedrigwasser, dieselben sind aber alle den Gezeiten ausgesetzt, welche bei 
Springzeit und bei NO-Sturm schr stark ist. "Hat ein Schiff Passagiere an 
Bord, so muss der Capitain ein genaues Verzeichniss derselben an den Zoll- 
beamten abgeben; bei gewöhnlicher Ladung muss ein Manifest und die Proviant- 
Liste übergeben worden und hat das Schiff eine dem Verderben unterworfene 
Ladung, so müssen die Luken besichtigt werden. Bei einem etwa noth- 
wendig gewordenen Protest oder einer Verklarung muss solche bei einem Ad- 
vocaten gemacht werden, 
Kohlen und andere Güter werden gewöhnlich durch eine transportabele 
Dampfmaschine gelöscht und hat das Schiff dafür 5 bis 6 Dollars den Tag zu 
zahlen. Salz wird vor dem Löschen im Schiff gemessen. Die Holzladung wird 
auf Kosten des Schiffes durch einheimische Holzflösser längsseit gebracht und 
ist der Capitain für die Stückzahl bereits verantwortlich von dem Augenblick 
an, dass die Flösser den Holzplatz verlassen haben. Auch muss das Schiff für 
die Raftketten, Krampen und das nöthige Tauwerk sorgen. Für das Holz 
längsseit bringen ist eine Taxe vorhanden, Die Holzstauer sind ziemlich 
zuverlässig; aber überwacht muss das Stauen doch werden, besonders dass keine 
verfaulte oder angebrannte Balken verladen werden. Wenn nicht allzuviel 
Schiffe in Quebek sind, ist die Expedition eine recht schnelle, aber der Capi- 
tain darf es nicht unterlassen, die Stauer und Holzflösser selbst auszuzahlen, 
weil sonst leicht Streitigkeiten deswegen entstehen können. Bei Holzladung 
wird für die Baumfüllung und die Decklast volle Fracht bewilligt, nur für das 
Stauholz wird %s der Fracht berechnet. Am vortheilhaftesten ist eine Ladung 
fehtener Balken, denn das Eichenholz ist zu schwer und die Planken geben bei 
ihrer durchschnittlichen Länge von 3.7 Met. schr schlechtes Maass, Die Haupt- 
ladezeit ist von Mai bis Mitte November, Die Haupt-Einfuhrartikel sind Salz, 
Kohlen, Eisen und Glas. Das Zollwesen ist hier wie in Grossbritannien und
	        
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