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Full text: Jahresbericht 1929

Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1929, 
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von Bremerhaven nach Hamburg. Hinzu kamen Zeitungsmaschinen, Sport- und 
Sondermaschinen in größerer Anzahl. Im Sommer stieg die Zahl der zu bera 
tenden Flugzeuge auf 30, sie ist im Winter wieder auf 6 pro Tag zurückgegangen. 
Als besonders wertvoll erwies sich wiederum die enge Zusammenarbeit mit 
der Wetterflugstelle, deren Beobachtungen und Aufstiegsergebnisse in weitestem 
Maße zur Kenntnis der Wetterlage, mehr noch zur Beurteilung der Sicht, Be 
wölkung und Böigkeitsverhältnisse unmittelbar herangezogen werden konnten. 
Anfang September bezog die Flugwetterwarte ihre Räume im neuen Ver 
waltungsgebäude des Flughafens, zwei im Obergeschoß als Arbeitszimmer für 
den Leiter und die Meteorologen und eins im Erdgeschoß als Beratungs- und 
Arbeitsraum. Mit der Flughafenfunkstelle und der Lufthansa ist dieser durch 
eine moderne Rohrpostanlage verbunden. Wenig günstig ist noch, daß die 
Fernsprechleitungen sämtlich in diesen Raum führen und besonders bei Schlecht 
wetterlagen den Betrieb im Beratungsraum und sich untereinander stören. Es 
ist zu erstreben, daß bei weiterem Ausbau des Verwaltungsgebäudes die Flug 
wetterwarte unmittelbar in der Nachbarschaft ein weiteres Zimmer erhält. Zu 
bedauern ist ferner, daß der Böenschreiber nicht unmittelbar in das Beratungs 
zimmer gelegt werden konnte. Als Ersatz für ihn soll in nächster Zeit ein 
modernes Fernanzeigegerät für Windrichtung und -stärke im Dienstraum ange 
bracht werden. Das Instrumentarium konnte nur um ein Stationsbarometer 
vermehrt werden, weil durch den Umzug und den Umbau des Böenschreibers 
und seine Ausrüstung mit einem verspannungslosen Mast namhafte Kosten ent 
standen waren. Die Thermometerhütte wurde von ihrem alten Platz in die 
Nähe der Rampe versetzt, etwa 30 m von der Wetterwarte entfernt. 
Für die Höhenwindmessungen war es nicht gerade förderlich, daß die finan 
zielle Lage der Flugwetterwarte infolge einiger von der Finanzdeputation an 
geordneter Änderungen im Abrechnungsverfahren und durch die völlige Unge 
wißheit über die Höhe der zur Verfügung stehenden Summen mehrere Monate 
hindurch die größte Einschränkung notwendig machten. Es konnte so längere 
Zeit hindurch nur ein Aufstieg pro Tag gemacht werden. Als die Lage sich 
später klärte, wurde der zweite Aufstieg wieder ausgeführt. Der Aufstellungs 
platz für den Theodoliten auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes ist an sich 
günstig, um so mehr, als sich in unmittelbarer Nähe auch die Füllung von 
Ballonen mit großer Aufstiegsgeschwindigkeit dort ermöglichen läßt. Bei 
einigen Windrichtungen ist aber die Wirbelbildung an und über dem Gebäude 
so stark, daß man bei Aufstiegen mit größter Vorsicht verfahren muß. 
Das Entgegenkommen von Lübeck ermöglichte uns im Herbst des Jahres 
die Aufstellung eines Böenschreibers auf dem Flughafen Travemünde. Gegen 
Ende des Jahres wurden dort weitere Mittel bewilligt, so daß sich nunmehr eine 
vollständige Ausrüstung mit meteorologischen Instrumenten hier durchführen 
läßt. Die Vorarbeiten dazu — Beschaffung der Instrumente, Anweisung der 
Beamten — werden zu Beginn des neuen Jahres beendet sein, so daß Travemünde 
dann laufend Beobachtungen nach dem großen Schlüssel geben kann. Dadurch 
wird das Zusammenarbeiten mit Travemünde noch enger. Bisher wurde täglich 
eine Wetterkarte, eine Wetterübersicht bis Oslo und eine Windberatung für die 
Naehtsicherung der dort verankerten Seemaschinen gegeben. 
Die Lehrtätigkeit zeigte in diesem Jahre wieder das übliche Maß. Dr. Troll 
beendete zu Beginn des Jahres den Flugzeugführerkursus an der Seefahrtsschule 
in Lübeck und war bei dessen Abschluß Mitglied der Prüfungskommission. 
Ferner hielt der Genannte im Juli d. J. einen vierwöchigen Kursus für die 
Flugschüler der Bäumer Aero ab und wurde auch im Bedarfsfälle durch die 
Luftaufsicht zu den Prüfungen herangezogen. Im Herbst übernahm Dr. Troll 
wiederum den meteorologischen Unterricht in dem neuen Lübecker Flugzeug 
führerkursus, der am 9. April des nächsten Jahres beendet sein wird. 
e) Flugwetterwarte Norderney. 
Die Flugwetterwarte war, wie in den früheren Jahren, nur während der 
Flugzeit der Deutschen Luft Hansa von Ende Juni bis Mitte September besetzt, 
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