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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

1796 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 18 93. 
Ueber Guaymas kann ich mich kurz fassen, weil über diesen Ort eine 
grofse Anzahl von Berichten vorliegt. Die Wassertiefe im Hafen verringert sich 
von Jahr zu Jahr. Etwas oberhalb und in der Nähe der alten Eisenbahnbrücke, 
woselbst die Schiffe früher ankerten, gerathen jetzt solche mit einem Tiefgange 
von nur 4m (13 Fufs) bei Niedrigwasser auf den Grund. Schiffe mit einem 
Tiefgang von 5,1 m (17 Fuß) sollten nicht weiter als bis eben unterhalb der 
Eisenbahnbrücke hinaufgehen, wenn sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollen, 
jede Tide festzugerathen. 
Die mangelhaften Zolleinrichtungen gestatten eine nur langsame Ent- 
löschung. Sobald nur mehr als ein Schiff im Hafen anwesend ist, darf nur von 
6 bis 10'% Uhr morgens gelöscht werden, denn die von den Leichtern ein- 
genommenen Güter dürfen nicht mehr sein, als noch am selbigen Tage an das 
ZolNhaus abgeliefert werden kann. Die Zeit des Löschens von Eisen und Schienen 
kann mit Erlaubnifs der Zollbehörde bis 3 Uhr nachmittags ausgedehnt werden. 
Die Schwierigkeiten vergröfsern sich noch, wenn ein Dampfer erwartet wird. 
Schon einen Tag vor der erwarteten Ankunft eines solchen hört jegliche Ent- 
löschung der Segelschiffe auf und wird nicht eher als zwei Tage nach dessen 
Abgang wieder aufgenommen. Hierdurch soll bezweckt werden, dafs bei Ankunft 
des Dampfers sämmtliche von den Segelschiffen gelöschten Güter aus dem Zoll- 
hause entfernt sind und ein genügender Raum für die Ladung des ersteren 
beschafft ist. Obwohl „Montana“ nur zwei Drittel ihrer Ladung hier zu 
löschen hatte, konnte sie doch erst am 26. Januar 1891, also einen ganzen Monat 
nach ihrer Ankunft, Guaymas wieder verlassen. 
Unser nächstes Reiseziel war San Blas, woselbst wir am 1. Februar zu 
Anker gingen. Die Ladung für diesen Platz bestand aus schweren Maschinen- 
theilen von je 8000 kg Gewicht. Das Entlöschen auf der Rhede von San Blas 
ist nicht ohne Gefahr, da öfters eine hohe südwestliche Dünung läuft und die 
Ladung in der Regel von grofsen offenen Ruderbooten aufgenommen und ans 
Land befördert wird. Da dieselben aber bei der geringsten Briese und Dünung 
längsseits auf und niederspringen, so dürfen sie es nicht wagen, schwere Stücke zu 
laden, weil diese ihnen beim Herunterlassen leicht den Boden durchstofßen 
könnten. Zu diesem Zweck müssen daher starke Fahrzeuge verwandt werden, 
Am 15. Februar versegelten wir von San Blas nach Altata, woselbst 
wir acht Tage später anlangten, Es ist dies ein schlechter Hafen, dessen Ein- 
fahrt durch eine Barre erschwert wird, auf der nur 5,5 m (18 Fuß), an einigen Stellen 
sogar nur 2,7 m (9 Fufs) Wasser stehen und die nur bei gutem Wetter und ruhiger 
See passirbar ist. Das Riff erstreckt sich etwa 6 Sm in die See hinein. Bei 
bewegter See ist die Barre wegen der dann vorhandenen Brandung weit genug 
zu erkennen, bei ruhigem Wetter, wenn keine Dünung vorhanden ist, jedoch 
nicht. Schiffen, welche längs der Küste segeln, ist anzurathen, sobald der niedere 
Saum derselben in Sicht gekommen ist, sich etwa 8 Sm von derselben entfernt 
zu halten, um nicht unversehens festzulaufen. Die Lootsen kommen in kleinen, 
offenen Booten bei gutem Wetter weit auf See hinaus den ankommenden Schiffen 
entgegen. 
Die Schiffe ankern vor Altata in der Nähe des Landes, woselbst eine 
Wassertiefe von 11m (6 Fad.) ist, so weit vom Ufer entfernt, dafs sie mit dem 
Kentern des Stromes frei herumschwaien können. Der Gezeitenstrom erreicht 
die bedeutende Geschwindigkeit von 4 bis 5 Knoten. Der Ankergrund ist gut. 
Schleppdampfer sind nicht vorhanden, doch es kommen des Öeftern kleine 
Küstendampfer nach hier, welche bei ungüstigem Winde Schiffe über die Barre 
bugsiren, wofür sie sich als geringsten Lohn 75 Doll. zahlen lassen. 
Die geographische Lage von Altata ist in den englischen Seekarten als zweifel- 
haft angegeben, was auch nothwendig erscheint, denn nach meinen Bestimmungen 
ist wenigstens die Breite etwa 8‘ zu südlich. Ich möchte Schiffen, die hierher 
bestimmt sind, empfehlen, dieses berücksichtigen zu wollen. Von See aus kann 
man Altata sehen, und zwar kennzeichnet es sich besonders dadurch, daß seine 
Häuser und Hütten schwarz erscheinen. Andere Landmarken existiren nicht. 
Nach Uebernahme von 120 Tonnen Silbererz segelten wir von Altata nach 
Mazatlan, woselbst wir am 9. März Anker warfen. Unsere Aufgabe war, hier 
eine Ladung Brasilholz zu laden. Diese Arbeit ging ziemlich rasch von statten, 
denn wir nahmen täglich zwei grofse Leichter mit Holz über und hatten nach
	        
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