4 Meereschemie 254 System Nordsee Dagegen sind weite Teile des Meeresbodens der Nordsee mit Sanden bedeckt, die nur geringe Feinkornanteile im unteren Prozentbereich enthalten. In diesen als dis- persiv geltenden Gebieten findet keine Nettosedimentation statt. Die rechte Karte in Abb. 4-53 (Deutsche Bucht) zeigt die Ergebnisse von Korngrößenanalysen im Oberflä chensediment des deutschen Festlandsockels aus dem Zeitraum 1995 bis 2007. Die schlickigen bzw. feinsandigen Gebiete in der inneren Deutschen Bucht und auf der Weißen Bank treten durch einen hohen Feinkornanteil deutlich hervor. Auf der Karte der gesamten Nordsee (links) fällt vor allem der hohe Feinkornanteil in der sehr tiefen Region vor der südnorwegischen Küste bis hinein in den Skagerrak auf. Die grobe Sandfraktion des Sediments besteht vor allem aus Silikaten. Durch ihre che mische Beschaffenheit und infolge ihrer relativ kleinen Oberfläche zeigt diese Fraktion nur eine geringe Neigung zur Anreicherung von Spurenmetallen. Die Feinkornfraktion setzt sich hingegen vor allem aus Tonmineralen und organischem Material zusam men, enthält Eisen(lll)-oxid-hydrate, Mangan(IV)-oxid-hydrate und Eisen(ll)-sulfide, die zur effizienten Bindung vieler Spurenelemente beitragen. Um die Metallbelastung von sandigen dispersiven Gebieten mit der in eher schlickigen Akkumulationsgebie ten vergleichen zu können, werden im BSH-Monitoringprogramm die Elementgehalte der Oberflächensedimentproben direkt in der Korngrößenfraktion < 20 pm bestimmt. Auf diese Weise wird eine Verdünnung der Sedimentprobe durch grobkörniges, che misch inertes Material (Sande) vermieden. Zur vergleichenden Bewertung wird also nur die Sedimentfraktion betrachtet, die ein hohes Potenzial zur Bindung der Spuren elemente besitzt. 4.4.4.2 Metallgehalte in Trendmonitoringgebieten (Dt. Bucht 2006/07) In den Jahren 2006 und 2007 wurden alle Trendmonitoringstationen in der deutschen AWZ beprobt. Die Ergebnisse der Untersuchungen in den sechs differenzierten Unter suchungsgebieten (vgl. Abb. 4-52,5.253) sind in Tab. 4-7zusammengefasst. Sie enthält Mittelwerte und Standardabweichungen der wichtigsten sechs Schwermetalle und der dazugehörigen Normierungsparameter (Matrixelemente und Korngrößenanteil). Die Matrixelemente Aluminium und Lithium weisen in der Feinkornfraktion Gehalte zwi schen 6,4 und 7,4% bzw. 59 und 75 mg/kg auf. Diese Werte liegen für Aluminium um den Faktor 1,3 bis 1,5 bzw. für Lithium 1,2 bis 1,5 über den von OSPAR zu Normie rungszwecken verwendeten Werten von 5% (AI) bzw. 50 mg/kg (Li). Auffällig ist weiterhin der hohe Eisenwert im ehemaligen Dünnsäureverklappungsge biet (Ti) nordwestlich von Helgoland. Erhöhte Eisengehalte, aber auch relativ hohe Arsen-, Zink- und Bleigehalte, werden in diesem Gebiet seit Jahren regelmäßig beob achtet. Nach heutigem Kenntnisstand ist hierfür die Verklappung von Dünnsäure aus der Titandioxidproduktion verantwortlich. Sie wurde in dieser Region 1989 eingestellt (BSH 1991), ist in der Zusammensetzung des Sedimentes aber immer noch deutlich sichtbar. Vor allem die Elemente Kupfer, Cadmium und Nickel (für Nickel liegen nur OSPAR Hintergrundwerte (BC und BAC) zur Bewertung vor) bewegen sich in den meisten Re gionen der deutschen AWZ bei niedrigen Gehalten oder im Bereich der Hintergrund konzentrationen. Alle Schwermetalle zeigen in Küstennähe erhöhte Gehalte, entlang der ostfriesischen Inseln weniger ausgeprägt als entlang der nordfriesischen Küste. Durchweg wurden im Bereich der Weißen Bank (WB) niedrige Metallgehalte gemes sen, nur die Quecksilber- und Cadmium-Gehalte nehmen zur zentralen Nordsee hin (TE) weiter ab. Diese sehr deutlichen Gradienten, mit erhöhten Gehalten in Küsten-