System Nordsee 177 4.3 Organische Stoffe <•> N. Theobald & P Loewe 4.3.1 Einführung ... 177 4.3.2 Hexachlorcyclohexan-Isomere ... 179 4.3.3 Lipophile Chlorkohlenwasserstoffe ... 188 4.3.4 Kohlenwasserstoffe ... 193 4.3.5 Polare Pestizide ... 206 4.3.6 Zusammenfassung ... 215 4.3.1 Einführung Von den heute bekannten über 18 Mio. chemischen Substanzen sind die meisten or ganische Verbindungen. Davon besitzen ca. 20 000 industrielle Bedeutung und wer den in größeren Mengen hergestellt. Etwa 2 000 Verbindungen gelten als umweltrele vant (Schadstoffe), weil sie giftig (toxisch) oder in der Umwelt beständig (persistent) sind und/oder sich in der Nahrungskette anreichern (bioakkumulieren) können. 100 bis 300 dieser Verbindungen sind z. Z. in Listen prioritär zu behandelnder Stoffe erfasst (EU, EPA, OSPAR, HELCOM). Die in diesem Bericht betrachteten Substanzen stammen größtenteils aus industrieller Produktion und gelangen durch menschliche Aktivitäten in die Meeresumwelt. Gegen wärtig überwacht das BSH routinemäßig ca. 100 organische Schadstoffe, die auf grund ihrer Umweltrelevanz von besonderer Bedeutung sind oder als Leitsubstanzen für ganze Schadstoffklassen angesehen werden (Theobald 1998). Unter den Schad stoffen finden sich Verbindungen sehr unterschiedlicher chemischer Struktur, die sich in der Umwelt entsprechend verschieden verhalten können. Mit Ausnahme der HCH-Isomere sind die meisten Organochlorverbindungen ausge sprochen lipophil (fettlöslich) und damit nur in geringem Maße wasserlöslich. Sie rei chern sich daher besonders in Sedimenten und im Fettgewebe von Organismen an. Da sie zudem oft hochgradig persistent sind, wird eine Akkumulation innerhalb der Nahrungskette begünstigt. Die Anreicherung und damit Belastung eines Organismus ist dabei um so größer, je hochrangiger seine Stellung in der Nahrungskette ist. Neben der unmittelbaren toxischen Wirkung der aufgenommenen Substanzen können im Or ganismus erzeugte Abbauprodukte zu einer Verstärkung der Schadstoffwirkung füh ren. Von besonderer Bedeutung sind Schadstoffe, die hormonelle Wirkungen erzeugen (z. B. DDE, Dieldrin, TBT). Diese als Umweltöstrogene oder Xenoöstrogene bezeich- neten organischen Verbindungen sind hinsichtlich ihrer chemischen Zusammenset zung und Struktur - und damit auch in ihren physikalischen und chemischen Eigen