3.4 Temperatur 
Nordseezustand 2003 
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Fig. 3-19: Seasonal percent frequency distributions of geostrophic wind speed and direction 
across the North Sea for warm (1991 - 2000, top) and cold SST regime (1978 - 1987, mid 
dle). Leftpanel is for winter (JFM = January- March), rightpanel for summer (JAS = July- 
September), bottom panel shows seasonal regime difference. The 0.5 % contour (stippled) 
encloses about 98 % ofall samples (900 for JFM, 920 for JAS). Cumulative differences within 
± 0.5 % envelopes (bottom) amount to±18% for JFM and ±15% for JAS. Velocity is ex- 
pressedin unitsofhPaper 10°latitudeat55°N, 1 unitbeingequivalentto 1.2Ktor0.62m/s. 
Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, dass die primäre Ursache für klimatische 
Schwankungen in Änderungen der Häufigkeit atmosphärischer Zirkulationsmuster zu 
suchen ist. Um einen tieferen Einblick in das Bi-Stabilitätsphänomen der Nordsee- 
SST zu gewinnen, wurde ein automatisches Verfahren zur Klassifizierung der tägli 
chen Großwetterlage (Jenkinson und Collinson 1977) implementiert und auf einen 
Nordsee-Teildatensatz der täglichen nordhemisphärischen Luftdruckfelder im Mee 
resniveau des UK Met Office angewendet. Der Datensatz wurde freundlicherweise 
kostenlos vom British Atmospheric Data Centre zur Verfügung gestellt 
(badc.nerc.ac.uk/data/mslp). 
Ein Zwischenschritt dieser Klassifizierungsmethode besteht in der Berechnung des 
für das Nordseegebiet am jeweiligen Tag repräsentativen geostrophischen Windvek 
tors. Insofern als der Wind als Motor der Luftmassenadvektion betrachtet werden 
kann, erscheint es natürlich, zunächst die saisonalen Windverteilungen im Hinblick 
auf Unterschiede während der durch die SST-Anomalien definierten Kalt- und Warm 
regimes zu analysieren. Die Ergebnisse dieser vorläufigen Untersuchung sind in 
Abb. 3-79 dargestellt. 
Aus offensichtlichen geographischen Gründen werden hier Winde aus nordöstlichen 
bis südlichen Richtungen (NE-S bzw. 22.5° - 202.5°) als »kontinental« qualifiziert, 
solche mit Richtungen aus der komplementären Hemisphäre als »maritim« bezeich 
net. Da die Verteilungsgipfel (>Moden<) der vier saisonalen Windverteilungen im mari 
timen Richtungssektor auftreten, hat das grundsätzliche Windklima tatsächlich mariti 
men Charakter (>Cfb<, s. o.). Dennoch bestehen erhebliche Unterschiede zwischen 
diesen Moden hinsichtlich Intensität und Lage in der Geschwindigkeits-/Richtungs- 
Ebene; und zwar nicht nur in den verschiedenen Jahreszeiten des gleichen SST-Re- 
gimes, sondern auch in den gleichen Jahreszeiten verschiedener Regimes. Hätte 
man andererseits aus dem Satz der vier Verteilungen jeweils zwei Paare auszuwäh 
len, deren »Partner« einander am stärksten ähneln, dann würde man die Winterver 
teilung des Warmregimes (Kaltregimes) mit der Sommerverteilung des Kaltregimes 
(Warmregimes) »verheiraten«, und hätte so eine »reinrassige« maritime (kontinenta 
le) Konstellation generiert. Das maritime Paar zeichnet sich durch ausgeprägte Mo 
den im W-Sektor und reduzierte Dichten im E-Sektor aus. Demgegenüber bestehen 
die hervorstechenden Attribute des kontinentalen Paars in abgeschwächten und E- 
verlagerten Hauptmoden sowie erhöhten Dichten im E-Sektor. Anstelle von Paarbil 
dungen unter dem Motto »Gleich und Gleich gesellt sich gern« bevorzugt die Natur 
jedoch Verbindungen nach dem konträren Prinzip (»Gegensätze ziehen sich an«), in 
dem sie maritime und kontinentale Windcharakteristika zu hybriden Windklimata kop 
pelt. 
Während die Intra-Regimedifferenzen der saisonalen Windverteilungen sich zweifel 
los signifikant unterscheiden, erscheint eine statistische Bestätigung der Inter-Regi 
medifferenzen der Sommer- und Winterverteilungen (Abb. 3-19, unten) angebracht. 
Dazu wurde ein 2-dimensionaler Kolmogorov-Smirnov Test auf die ungruppierten