Martin Rodewald: Das Dreimasseneck als zyklogenetischer Ort.
9
Jedoch kann man sich nun auch den Fall denken, daß das Schrumpfungsfeld der Abbildung 2 (S. 7) in einem
Entropiefeld wirkt, in dem bereits Zonen dichter gescharter Iscntropen vorhanden sind — sei es auf
der einen Seite oder der andern Seite der horizontalen Dehnnngsachse oder auf beiden Seiten zugleich. Das
letztere ist die Ausgangslage für die Dreimasseneckbildung.
Da durch eine Zone dichter aneinander liegender Isentropen eine F r o n t angezeigt wird, hat man
m. a. W. als Ausgangslage zwei präexistente Fronten, Fronten älteren Datums, auf die nun
wieder ein frontogenetisches Deformationsfeld einwirkt. Bei der kontinuierlich ihr Spiel treibenden atmo
sphärischen Zirkulation können eben nicht nur undeutlich unterschiedene Luftarten so gegeneinander geführt
werden, daß sich zwischen ihnen eine Front ergibt, sondern es können auch die auf solche Weise gebildeten
Fronten nochmals im Laufe ihres Lebens zur Frontogenese gegeneinander geführt werden.
Dies kann als eine potenzierte Froutbildung bezeichnet werden, denn es leuchtet unmittelbar
ein, daß, wenn von beiden Seiten der horizontalen Schrumpfungsachse dichtliegende Isentropen aufeinander
zuwandern, das Entropiegefälle quer zur Dehnungsachse besonders rasch und kräftig anwachsen muß. An
knüpfend an die Abbildungen 2 und 3 ergibt sich als Idealschema für das Zustandekommen eines Dreimassen
ecks die in Abbildung 6 dargestellte Luftdruck-, Strömungs- und Frontenanordnung, worin die gestrichelten
Linien die Bodendruckverteilung und -Strömung zum Ausdruck bringen mögen.
Abl>. 6: Itlealschema für das Zustandekommen eines Dreimasseneeks
Abb. 7: Das Dreimasseneck hat sich gebildet
Vergleicht man diese Abbildung mit der Abbildung 3 (S. 7), so zeigt sich rein äußerlich die Anlage zu
potenzierter Frontbildung darin, daß statt der 2 Hochs und 2 Tiefs (von Abb. 3) 4 Ilochs und 4 Tiefs vor
handen sind. Doch sind von den 4 Hochs je 2 einander zugehörig, indem hier wie dort einem warmen bzw.
relativ warmen Hoch ein kälteres Hoch aufgeseßt ist. Diese Kaltluft-Hochs sind also ziemlich flache Druck
gebilde (s. o. Abschnitt 2), die der Zirkulation um die benachbarten Warmluft-Hochs mehr oder weniger mit
unterstehen. In der Abbildung ist das durch die (stark ausgezogenen) antizyklonischen „Zirkulationsräder“
angedeutet. Diese H-Räder sowie von den Tiefs die mit Index versehenen, T k und T w , sind es, die zwischen
sich den für die Dreimasseneckbildung maßgeblichen neutralen Punkt lassen, an der Stelle des kräftigen
Pfeiles zwischen den 1013 mb-Isobaren.
Die zwei präexistenten, heterogenen Fronten der Abbildung, welche die drei Luftmassen W,
N, K (warm, neutral, kalt) scheiden (vgl. Abb. 1, S. 6), werden, wie man sieht, gegen den neutralen Punkt hin
auf einanderzu bewegt. Der Pfeil zwischen den Fronten gibt die Begegmmgszone an, die Stätte „potenzierter
Frontbildung“ zwischen W und K, und er deutet zugleich die Richtung der Höhenströmung über dieser
neuen, scharfen Frontalzone an.
Nach einiger Zeit sieht also die Frontenlage so aus, wie es Abbildung 7 veranschaulicht: Bei dem
Punkte D hat sich das Dreimasseneck gebildet. Diese Figur gleicht schon im wesentlichen
der empirisch gefundenen Abbildung 1. Der Umstand, daß sich in Abbildung 7 südlich vom Punkte D noch
zwei Fronten finden statt einer, ist ohne Belang. Denn diese beiden laufen infolge ungefähr gleichgerichteter
postfrontaler Strömung rasch weiter zusammen, bzw. es löst sich der eine Frontabschnitt in weiterem Abstande
vom Dreimasseneck auf, so daß nur noch eine Front, die sich gabelt, im Wetterkartenbilde zu erkennen ist.