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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 58. Band, Nr. 3
1931/32 herrschte es zu Beginn der Vereisung fast ganz ohne Festeisgürtel bis in den Februar hinein, 1933/34
ebenso lange mit Festeisgürtel. In dem milden Winter 1929/30 gab es fast den ganzen, kurzen Eiswinter über
Treibeis mit Ausnahme von zwei Festeistagen am 3. und 4. April.
War bei Hapsal die Vereisung im wesentlichen ungestört den Winter über, so gliedert sich die Vereisung
im Meeresgebiet bei Worms bereits in einzelne Kerne, die jedoch durch einen konstanten Festeisgürtel längs der
Küste in zeitlicher Verbindung stehen. Die erkennbaren Einschnitte in der Vereisung stellen meistens nur eine
periphere, flächenhafte Verringerung der Eisdecke dar, weniger eine Stärkeminderung. Eine solche lag nur 1929/30
vor, als das Eis Anfang März rasch an Tragfähigkeit verlor und erst Ende März wieder von Treibeis in festes Eis,
das schließlich an zwei Tagen ausschließlich herrschte, überging, ohne daß es noch einmal gangbar wurde. Als
Beispiel eines Winters mit zwei Intensitätsmaxima sei der von 1925/26 genannt. Zu Beginn der Vereisung zeigen
sich noch Unregelmäßigkeiten, zuletzt noch am 2./3. Januar. Danach herrscht das Festeis bis zum Horizont un
gestört bis Anfang März. Da tritt zunächst eine Flächenminderung ein, daraufhin sogar Treibeisbildung. Der
Festeisgürtel längs der Küste bleibt aber fortbestehen. Erst am 18. März verstärkt sich die Eisbildung wieder, so
daß bereits am gleichen Tage das Festeis wieder bis zum Horizont reicht. Diese Periode reicht nun bis zum
21. April; dann beginnt allmählich die Enteisung. Die Tragfähigkeit ist während des ganzen Winters nicht unter
brochen. Die Schwächeperiode Anfang bis Mitte März reichte also noch nicht aus, um den Küstenfesteisgürtel
nennenswert an Stärke abnehmen zu lassen; er blieb die ganze Zeit über fahrbar.
Die gegenüber den festländischen Küsten stärker hervortretende Beeinflussung durch hydrographische Ver
hältnisse gibt sich u. a. darin zu erkennen, daß Treibeis zeitweilig ausschließlich anzutreffen ist, also bis un
mittelbar zur Küste reicht. Es ist dies zwar noch nicht häufig der Fall, aber die nachweisbaren Treibeisperioden
ohne Küstenfesteis sind doch deutlich ausgeprägt. Sie können sowohl zu Beginn wie zum Schluß der Vereisung
auftreten, zum Teil in Gestalt selbständiger Vorperioden. Solche rein ausgebildeten Treibeisperioden traten auf in
den W'intern 1928/29, 1931/32 zu Beginn, und 1928/29 auch zum Schluß in unmittelbarem Anschluß an die Fest
vereisung. Am längsten fand sich ausschließlich Treibeis im W 7 inter 1931/32: eine Vorperiode vom 26. 11. bis
11. 12., eine zweite vom 17./18. 12., die Hauptvereisung begann schließlich am 28. Dezember ebenfalls mit Treib
eis. Außer an den Tagen vom 31. 12. bis 1. 1., vom 3. 1. bis 7. 1., an denen sich ein Küstenfesteisgürtel bei Worms
vorübergehend ausgebildet hatte, herrschte das Treibeis ununterbrochen bis zum 8. Februar. Am Tage darauf
setzte ganz plötzlich eine starke Verschärfung der Eisverhältnisse ein, die sich äußerte in der Ausdehnung von
Festeis bis zum Horizont und der gleichzeitigen Gangbarkeit des Eises, das am darauffolgenden Tage bereits fahr
bar wurde. Wir können daraus entnehmen, daß Worms sehr rasch in das kontinentale Vereisungsbereich einbe
zogen werden kann und die marinen hydrographischen Einflüsse in diesem Gebiet sich auf Strömung beschränken,
sonst aber zu schwach sind, um starken Kälteeinbrüchen Widerstand entgegenzusetzen.
Abb. 32
IfOÄAtS-Sl Dezember I Januar 1 Februar I März
1923/24'
1924/25'
1 Aprl 1
Mal
1926/2?
1928/29
1929/30
1930/31
1932/33
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1934/35
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