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Full text: 49, 1930/1931

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Aus dem Archiv der Deutschen See warte. — Band 49. lieft 1. 
IV. Diskussion der Höhenwindmessungen. 
(Hierzu Anhangs-Tabelle 2 und Tafel 1—4). 
Die Fahrt vom westlichen Kanalausgang durch die Biscaya mit Kurs auf La Coruha am 24. IV. 
1928 verlief am Rande eines über Mitteleuropa gelegenen Hochdruckgebietes. Da sich gleichzeitig 
über dem Atlantik nordwestlich von Irland ein sehr kräftiges Tiefdruckgebiet von unter 730 mm 
befand, herrschte nördlich von 45“ N. Br. dem Gradienten entsprechend starker SE-Wind bis zu 
16 m/sec in den untersten Luftschichten. Mit zunehmender Höhe flaute der Wind der antizyklonalen 
Lage entsprechend ab. (Aufstieg Nr. 3.) Südlich von 45° N. Br. flauten auch die Bodenwinde 
schnell ab, und unter 44° 30’ N. Br. und 7° 42’ W. Länge wurde der Westabhang des mitteleuro 
päischen Hochdruckgebietes mit dem Passieren einer Abglcitfläche erreicht. Ein kurz vorher an- 
gestellter Aufstieg (Nr. 4) zeigt, daß die aus ‘dem Druck herausströmenden Luftmassen sich nur 
noch auf die untersten 300 m beschränken. Beim Passieren der Abgleitfläche stieg die Temperatur 
sprunghaft von 12° auf 14° C, während die relative Feuchtigkeit von 90% auf 60 % sank. Gleich 
zeitig setzte für kurze Zeit hervorragende Sichtbesserung ein, solange wir uns im Bereich der 
durch Absinken dynamisch erwärmten und dadurch relativ trockenen Luft befanden. Mit später 
aufkommendem Südwestwind wurde die Atmosphäre wieder leicht dunstgetrübt bei ein wenig 
sinkender Temperatur und erneuter Feuchtigkeitszunahme. Damit waren wir in den Bereich der 
Vorderseitenströmung des atlantischen Tiefs gelangt. Der zu dieser Luftmasse gehörende Süd 
westwind wurde beim Aufstieg Nr. 4 nach dem Ueberwinden der zum Hochdruckgebiet gehörenden 
Abgleitluft in etwa 500 m Höhe angetroffen. In 2000 m herrschte SzW 19 m/sec. 
Inzwischen entwickelte sich südlich von der atlantischen Hauptzyklone ein selbständiges 
Teiltief, dessen Herannahen sich am 24. IV. bereits durch zunehmende Ci - St - Bewölkung mit 
Haloerscheinungen ankündigte. Diese Depression erreichte am Nachmittage des 25. IV. mit ihrem 
Aufgleitregengebiet die nordspanische Küste. Die Aufstiege Nr. 5 bis 7 vom 26. IV. stammen 
schon aus dem Rückseitenbereich dieses Tiefs. Maritime Kaltluft, in der es zu zahlreichen Schau 
ern kam, drang mit Geschwindigkeiten bis zu 17 m/sec ostwärts vor. Noch während des ganzen 
folgenden Tages (27. IV.) blieben wir im Bereich der maritimen Kaltluft, die rechtsdrehend mit 
NW- bis NNW-Winden südwärts vorstieß, infolge ihrer höheren Geschwindigkeit dem Schiff vor 
auseilend. Aufstieg Nr. 10 vom Nachmittag des 27. IV. zeigt, daß unter 33 “ N. Br. die Kaltluft noch 
bis über 3000 m hochreichte, ln dieser Höhe entwickelte sie Geschwindigkeiten bis zu 15 m/sec. 
Bei 30° N. Br. setzte der NE-Passat ein, der, wie die Aufstiege Nr. 11 bis 19 zeigen, in den 
untersten 1000 m am kräftigsten wehte. Darüber folgte schnelles Abflauen, und über 1500 m bis 
2000 m setzte schwache südsüdwestliche bis südwestliche Strömung ein. Erst südlich von 15 0 N. 
Br. wurde der NE-Passat bis 3500 m Höhe festgestellt (Aufstieg Nr. 20). Während der Heimreise 
reichte die nordöstliche Strömung unter 14 0 30 ’ N. Br. am 15. VI. bis an 4000 m heran (Aufstieg 
Nr. 75). Weiter nördlich wurde auf der Heimreise der Uebergang vom unteren NE-Passat zur obe 
ren SW- bis W-Strömung sehr scharf markiert schon in 1000 bis 1200 m Höhe festgestellt. Die Auf 
stiege Nr. 77 bis 85 zeigen durchgehend, daß über dem NE-Passat von durchschnittlich 6 — 7 m/sec 
die obere SW — W-Strömung sehr kräftig ausgebildet war. Bei mit der Höhe zunehmender Wind 
geschwindigkeit wurden bis zu 17 und 18 m/sec zwischen 2500 und 4000 m gemessen (Aufstiege Nr. 
83 und 85). Demgegenüber betrug die Mittelgeschwindigkeit des NE-Passates bei der Ausreise in 
den unteren 1000 m durchschnittlich 11 bis 12 m/sec, während die Gegenströmung zwischen 3 und 
7 m/sec schwankte, also relativ und absolut schwach war. Das verschiedene Verhalten vom Pas 
sat mit seiner oberen Gegenströmung bei der Ausreise und bei der Heimreise ist so auffallend, daß 
man geneigt ist, von typischen Fällen zu sprechen. Leider reichen die wenigen synoptischen Mel 
dungen dieser Zonen nicht aus, das Strömungsbild aufgrund der Druckverteilung näher bestimmen 
zu können.
	        
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